Week in Review: Ausgabe 3/2011

Die No Hope Classic
Die großen Golfstars teen lieber für Antrittsgeld in Dubai auf und die Amateurstars wären gerade mal prominent genug fürs Dschungelcamp: Das einstige PGA-Tour-Schwergewicht Bob Hope Classic pfeift auf dem letzten Loch. Seitdem der Entertainer 2003 gestorben ist, fühlt sich niemand mehr verpflichtet an dem Pro-Am-Event teilzunehmen. Die Verzweiflung der PGA Tour geht so weit, dass man jetzt darüber nachdenkt, Ex-Präsident Bill Clinton als Schirmherren zu gewinnen. Dabei verkennt man völlig den Kern des Problems: die Grundkonstruktion des Turniers. An fünf Tagen müssen sich die Profis über vier verschiedene Plätze schleppen und den Amateuren sechs Stunden lang beim Hacken zuschauen. Ein Tempo, das so langsam ist, dass selbst Ben Crane lieber zu Hause bleibt. Schlimmer noch: Auch für den TV-Zuschauer ist das Ganze eine Zumutung, denn aus irgendeinem Grund meint der Golf Channel aus dem Turnier etwas ganz Besonderes machen zu müssen. Als Folge bekam man einen Golflehrer zu sehen, der vor einem Greenscreen Schwünge wie ein Wetterfrosch analysierte; Schauspieler, die vor Felsenkulisse über ihr Spiel lamentierten; viertelstündige Interviews in der Moderatorenbox mit Ex-Kommentator Ken Venturi; jede Menge Archivmaterial von den goldenen Zeiten des Turniers; und Kurt Russell, der auch den zehnten Putt einen Meter zu kurz ließ. Wenn ich sehen will, wie Leute über Golfrunden jammern, sich an bessere Zeiten erinnern und auf dem Platz herumhacken, geh ich zum Monatsbecher und schau mir keine Golfübertragung an. Lieber Golf Channel: Lasst von mir aus die Amateure dazwischen rumhacken, aber behandelt die Übertragung wie jedes andere Turnier und zeigt Golf! Zu was die Bob Hope Classic fähig ist, zeigte nämlich die spannende Schlussphase des Turniers mit einem sensationellen Playoff. Und wenn man vielleicht dazu eine Runde und zwei Plätze streicht und nach zwei Runden einen Cut für die Amateure zieht, könnte vielleicht auch die Bob Hope wieder auf die Beine kommen.

Weltranglisten-Spiele
Martin Kaymer hat es geschafft: Er ist erstmals die Nummer zwei der Welt. Schnell schaltete die PR-Abteilung der European Tour den Turbo ein: erstmals seit 1993 (Nick Faldo und Bernhard Langer) sind wieder zwei Europäer an der Spitze, schallte es aus Wentworth. Und die Amerikaner fügten hinzu, dass Tiger Woods zuletzt 2004 so tief in der Weltrangliste stand. Allerdings prophezeiten einige von ihnen eine schnelle Wiederherstellung des alten Zustandes. Schließlich spielt Tiger diese Woche auf seinem Lieblingsplatz in Torrey Pines während Kaymer die Füße hochlegt. Doch wie unser hauseigener Weltranglisten-Experte Timo errechnete, haben sie dabei die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn selbst ein Sieg würde Tiger nicht an Kaymer wieder vorbeibringen. Der Grund ist zum Einen, dass aufgrund der veränderten Abfolge der Turniere sich in der kommenden Woche Kaymers Divisor um ein Turnier verringert und sein Durchschnitt deshalb etwa auf 8.13 ansteigt. Zum Anderen ist die Farmers Insurance Open nur um die 42 Punkte wert, da sich mit den fallenden Weltranglistenplätzen der Amerikaner auch die Wertigkeit ihrer Turniere verringert. Eine Veränderung wird sich aber wohl spätestens bei der Dubai Desert Classic einstellen wenn Lee Westwood, Kaymer und Woods sich zum Showdown treffen. Dort ist für den Deutschen von Platz 1-3 der Weltrangliste alles möglich.

Ein St. Andrews, es gibt nur ein St. Andrews
Jeder Golfer, der was auf sich hält, weiß wo St. Andrews liegt. Niemand, der das Home of Golf besichtigen will, würde auf die Idee kommen, nach Florida zu fliegen. Doch genau das scheinen die Hüter des St. Andrews Links Trust zu befürchten. Seit Jahrzehnten gibt es im US-Sonnenstaat einen Par-3-Kurs namens St. Andrews Links. Die Besitzer im Städtchen Dunedin wählten den Namen als Tribut an den legendären schottischen Kurs. Doch jetzt flatterte ihnen eine Unterlassungsklage ins Haus wie die St. Petersburg Times (aus Florida, nicht Russland) berichtet. Weil die Schotten eine Merchandising-Offensive auf dem U.S. Markt planen, ließen sie ihr Markenrecht auch jenseits des Atlantiks eintragen. Die Optionen für den Bürgermeister von Dunedin: 75.000 Dollar Strafzahlung oder ein – durchaus mit Erfolgsabsichten verbundener – Gerichtsstreit, der 200.000 Dollar verschlingen würde. Doch die Schotten zeigten Gnade: Sie verzichteten auf die Strafzahlung als Ausgleich dafür, dass sich der Platz innerhalb von 120 Tagen in Dunedin Stirling Links umbenannte.

Wer den Schaden hat…sorgt selber für den Spott
Man kann über Padraig Harrington denken was man will, aber bei seiner Disqualifikation in Abu Dhabi hat er große Klasse bewiesen. Während seine Kollegen regelkundige TV-Zuschauer als Idioten, Korinthenkacker und sonstiges bezeichneten, sagte der Ire nur er sei froh darüber, dass es solche Menschen gibt. Seine unfreiwillige Freizeit verbrachte Harrington mit intensiven Driving-Range-Stunden und einer Golf Clinic mit Kindern, wo er nicht nur zeigte wie man Bälle schlägt, sondern in einem grandiosen Anflug von Selbstironie auch eine Nachhilfestunde im Ball markieren gab.

Jhonny Be Good
Er klingt wie die Hauptfigur eines Martin-Scorsese-Films: Jhonattan Vegas. Der Venezuelaner, in dessen Heimatland der Golfsport auf staatliche Anordnung geächtet ist, schaffte in seinem fünften Start auf der PGA Tour seinen ersten Sieg. Kein Rekord, den hält immer noch Jim Benepe, der 1988 mit der Western Open gleich beim ersten Start gewann, aber eine beachtliche Leistung. Zum Vergleich: Phil Mickelson gewann sein erstes Turnier beim sechsten Start, Tiger Woods hat in seinem achten Turnier erstmals den Cut geschafft und erst sein 19. Turnier gewonnen. Keiner wird von dem 26-jährigen Absolvent der Nationwide Tour eine ähnliche Karriere erwarten, aber wer bei fünf Starts auf der PGA Tour vier Mal den Cut schafft (der einzige verpasste liegt fast 8 Jahre zurück), hat das Potenzial zumindest Golfkennern ein Begriff zu werden – besonders mit so einem Namen.

Massenabfertigung
Diese Stunde hätte sich für Esteban Toledo gelohnt. Bei einem geschätzten Stundenlohn von 80 Euro hätte er am Sonntag lockere 85.000 Euro verdient. In Playa del Carmen lud der mexikanische Profigolfer zur größten Golfstunde der Welt. 1073 Menschen kamen und verhalfen dem Veranstalter der Mayakoba Golf Classic zu einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Der Rekord war übrigens auch schon mal in deutscher Hand: 2008 lud die Hanse Golf zur größten Golfstunde der Welt. Damals reichten bereits läppische 534 Teilnehmer. Bisheriger Rekordhalter war natürlich China. In Peking ließen sich im letzten Oktober 1032 Golfer eine Lehrstunde erteilen.

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