Tour Inside: John Deere Classic & Scottish Open

John Deere Classic (PGA Tour, 7.7.-10.7.)

Die Turniergeschichte
Die John Deere Classic hat einen speziellen Platz in der PGA-Tour-Geschichte. Bei ihren ersten beiden Austragungen 1971 (noch als unterklassiges Turnier) und 1972 triumphierte Deane Beman: Der Mann, der von 1974 bis 1994 die Geschicke der PGA Tour leitete. Damals hieß das Turnier noch Quad Cities Open, benannt nach dem Zusammenschluss mehrerer Städte an der Grenze der Bundesstaaten Iowa und Illinois. Ursprünglich mal Tri-Cities benannt, müsste es mittlerweile konsequenterweise Quint Cities heißen, da nun fünf Städte dazugehören, doch ein entsprechender Antrag wurde aus Marketinggründen abgelehnt. Bis 1998 fand sich Quad City immer noch im Turniernamen – ein Zeichen dafür, dass das Turnier eigentlich auf der Abschussliste stand. Doch weil Beman sentimentale Erinnerungen an die Stätte seiner Triumphe hatte, hielt er das Turnier lange Zeit entgegen aller wirtschaftlichen Realitäten im Turnierkalender aufrecht. Als Beman 1994 abtrat, zog die PGA Tour die Daumenschrauben an und drohte mit dem Abzug aus Illinois. Doch dann standen ab 1999 plötzlich kleine grüne Traktoren als Teemarker auf dem Platz, weil der lokale Maschinen-Gigant John Deere das Sponsoring übernommen hatte.
Als eines der wenigen Turniere auf der PGA Tour wurde es noch nie von einem Europäer gewonnen, was sicherlich auch an seinem Platz im Turnierkalender liegt. Von 1974 bis 1989 wurde es als Parallelevent zur Open Championship ausgetragen und nach einem Zwischenspiel im September (parallel zum Ryder Cup) findet es seit 1997 in der Woche vor der Open statt, wo die meisten Europäer bereits in ihrer Heimat aufteen. Natürlich sind auch die besten einheimischen Spieler in Übersee, was erklärt warum die Siegerliste vor allen Dingen von No-Names diktiert wird (abgesehen von den letzten paar Jahren und Spielern wie Payne Stewart oder David Toms, die zu der Zeit ihrer Siege auch noch unbeschriebene Blätter waren). Entsprechend müssen die Turnierveranstalter anders versuchen Öffentlichkeit zu generieren. Wie beispielsweise 2005 und 2006 als sie Michelle Wie eine Sponsoreneinladung zukommen ließen. Seinen Platz in den Sportannalen hat die John Deere Classic aber aus einem anderen Grund sicher. Bis zu der PGA Championship 2009 war die 1996er Quad City Classic das einzige Turnier, in dem Tiger Woods noch eine alleine Führung nach drei Runden verspielte.

Der Platz
1999 feierte man die 25. Austragung des Turniers im Oakwood Country Club damit, dass man ihm das Turnier wegnahm. Natürlich wieder mal zugunsten einer PGA-Tour-eigenen Einrichtung, dem TPC Deere Run. Doch dieses Mal hatte es seine gute Berechtigung. Aufgrund der oben beschriebenen Probleme des überlegten sich die Beteiligten, wie sie eine langfristige Sicherung des PGA-Tour-Stopps in Illinois erreichen konnte. Auftritt: D.A. Weibring. Der Profigolfer war mit dem Turnier verbunden wie kein Anderer. 1977 hatte er hier den ersten Cut seiner Karriere geschafft, 1979, 1991 und 1995 trug er sich als Sieger ein. Weibring wusste von einer zum Verkauf stehenden Pferdefarm und suchte den Kontakt zum John-Deere-Vorstand. Danach ging alles ganz schnell. Die Firma kaufte das Land, versprach der Tour mindestens neuen Jahre lang als Titelsponsor einzuspringen, und stellte allen TPC-Einrichtungen kostenlos Platzpflege-Gerätschaften zur Verfügung. Als Ausgleich ließ die PGA Tour für zehn Millionen Dollar einen TPC-Platz bauen, verankerte den Namen der Firma im Titel und beauftragte D.A. Weibring mit dem Design – übrigens ganz ohne die üblichen Häuser und Villen am Fairwayrand. Das dabei herausgesprungene 7258 Yards lange Par 71 gehört zu einer der leichtesten Herausforderungen auf der PGA Tour. So leicht, dass J.P. Hayes bei seinem Sieg 2002 in der zweiten Runde nur 61 Schläge benötigte. Ungewöhnlich auch die Greenfee-Preise für diesen öffentlich zugänglichen Platz. Zwischen 40 und 60 Euro je nach Tages- und Jahreszeit sind lediglich fällig.

Die Favoriten
Eigentlich kann es diese Woche nur einen Favoriten geben: Steve Stricker, der die letzten zwei Jahre gewonnen hat und bei seinen wenigen Auftritten 2011 fast immer gut ausgesehen hat. Aber wenn man mir die Pistole auf die Brust setzt, würde ich folgende Alternativen anbieten: Jason Day, den man derzeit als einen der besten Spieler der Welt zählen muss. Jonathan Byrd, der hier 2007 gewann. Charles Howell III, der gerade einen Lauf hat. Zach Johnson, Local Hero und Zweiter 2009. Und Andres Romero – einfach aus dem Bauch heraus.

Scottish Open (European Tour, 7.7.-10.7.)

Die Turniergeschichte
Dafür, dass Schottland die Heimat des Golfsports ist, hat die Scottish Open eine überraschend unbeständige Geschichte – sogar noch unbeständiger als sie Wikipedia angibt. Die terminiert die erste Scottish Open auf den Beginn der European Tour im Jahr 1972. Tatsächlich schmückten sich jedoch schon in den 20ern Golfer mit dem Titel Scottish-Open-Champion. Als erste echte Scottish Open Championship wird in historischen Zeitungsberichten jedoch das Turnier im Jahr 1935 auf dem King’s Course von Gleneagles angesehen. Mit einem Platzrekord von 66 in der Schlussrunde entschied Percy Alliss das Debüt für sich. Ein Jahr später gewann James Adams in Ayr Belleisle. Mit dem Zweiten Weltkrieg löste sich die Scottish Open dann auf und tauchte erst wieder 1972 im Turnierkalender auf. Allerdings auch nur für zwei Jahre, weil man für den abgesprungenen Sponsor Sunbeam keinen Ersatz fand. Zwar gab es in der Zwischenzeit andere European-Tour-Events in Schottland, der Name Scottish Open kam aber erst 1986 für elf Jahre zurück. Eine besondere Kuriosität bildet dabei das Jahr 1996. Ian Woosnam gewann die offizielle, letzte Scottish Open. 2001 beschloss man jedoch das Turnier in Loch Lomond zur Scottish Open umzubenennen und alle vergangenen Sieger auch rückwirkend zu Scottish-Open-Champions zu machen. Inklusive Thomas Björn, der 1996 die Erstauflage gewann als es noch eine echte Scottish Open gab. Das Turnier in Loch Lomond war allerdings umstritten. Obwohl Schottland so viele Links-Plätze besitzt wie kein anderes Land, trug man das Turnier auf einem gänzlich amerikanisch wirkenden Platz aus, weswegen viele Spitzenspieler auf einen Start verzichteten um sich auf passenderem Terrain auf die eine Woche später stattfindende Open vorzubereiten. Eine Kritik, der man ab diesem Jahr Rechnung trägt nachdem die Eigentümer von Loch Lomond in den Abwärtsstrudel der Finanzkrise geraten waren und ihren Vertrag mit der European Tour vorzeitig auflösen mussten.

Der Platz
Nach den vielen Jahren im ultra-elitären Loch Lomond kommt dieses Jahr das Gegenteil: der auf die breite Masse zugeschnittene Castle Stuart Golf Links. Wobei man die breite Masse etwas relativieren muss, schließlich werden zwischen 140 und 180 Euro Greenfee fällig. Dafür gibt es aber auch einen Platz, der von vielen Seiten als beste Neuanlage in Großbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg gefeiert wird. Gil Hanse und Jim Wagner haben einen krassen Gegenentwurf zur modernen Idee abgeliefert, dass ein schlechter Schlag automatisch aufs Brutalste bestraft werden muss. Ihr Platz bietet recht breite Fairways, auf denen es sich aber auszahlt, den Ball auf die richtige Seite zu platzieren: die strategische Schule der Golfarchitektur, die auch schon die legendären Alister MacKenzie oder Donald Ross beherzigten. Hauptverteidigung des Platzes ist natürlich der Wind. Umso erfrischender die Einstellung der Architekten, die zu Protokoll gaben, es sei ihnen egal ob die Profis ihr 6447 Meter langes Par 72 auseinander nehmen wenn der Wind ausbleibt – dafür sind sie nun mal Profis. Auf jeden Fall verspricht das Turnier unabhängig vom Feld oder dem Siegerscore allein aufgrund des Platzes eine der reizvollsten Golfübertragungen des Jahres zu werden.

Die Favoriten
Es ist eigentlich unmöglich, diese Woche einen Favoriten zu küren. Nicht nur, dass der Platz das erste Mal gespielt wird: Linksgolf wird auf der European Tour so selten gespielt, dass man kaum Referenzwerte hat. Die breiten Fairways sprechen für einen Bomber wie Phil Mickelson, doch der ist mit Linksgolf noch nie wirklich zurechtgekommen. Als Top-Favorit muss daher die britische Armada um Lee Westwood und Graeme McDowell gelten, die genügend Erfahrung mit dieser Art des Golfs haben. Der Weltranglisten-Erste Luke Donald könnte hingegen von der Spielweise schon zu amerikanisiert sein. Außenseiterchancen dürften darüber hinaus Danny Willett und vor allem Chris Wood haben, der schon diverse Mal bei der Open geglänzt hat. Wenn es um Favoriten außerhalb von Großbritannien und Irland geht, stellt sich bei mir allerdings Ratlosigkeit ein.

Ein Kommentar
  1. rebel

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