Week in Review: Open Championship 2011

Der 3-Millionen-Euro-Mann

Offiziell hat Darren Clarke für seinen Open-Sieg 999.540 Euro gewonnen. Tatsächlich war sein Triumph aber insgesamt über drei Millionen Euro mehr wert. Vor acht Jahren schloss sein Manager Chubby Chandler laut Irish Golf Desk mit dem Millionär Mike Ashley einen besonderen Werbe-Deal. Darren Clarke, Lee Westwood und David Howell würden für lau Werbung für Ashleys Marke Dunlop machen – doch sollte einer von ihnen ein Major gewinnen, würden zwei Millionen Pfund fällig. Dass von den Dreien ausgerechnet Clarke jetzt als erster abkassiert, dürfte auch für Ashley eine Überraschung sein.

Spaniens Macarena-Nachfolger: Der Jimenez

So langsam wird Miguel Angel Jimenez zum Internet-Phänomen. Seit längerem gilt er schon in Anspielung an eine Werbefigur als “The Most Interesting Man in the World”. Dann tauchte beim Ryder Cup 2010 das Foto eines Jimenez-Fans auf, das kurzzeitig die Photoshop-Welt in Atem hielt. Doch jetzt hat Jimenez sich endgültig als coolster aller Profi-Golfer durchgesetzt, als er mit seiner bizarren Aufwärm-Routine auf sich aufmerksam machte.

Leider ist nur die ESPN-Version einbettbar, aber bei der BBC findet sich das Ganze mit dem grandios-schrägen Kommentar von Peter Alliss, der so Glanzstücke enthält wie “Er war für viele Jahre der Hula-Meister von Santander”. Das Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Am Folgetag warteten viele Fans extra auf der Driving Range auf die Einlage von Miguel – und selbst Phil Mickelson stieg kurzzeitig mit ein. Dann durfte Jimenez selber für einen Reporter seine Warm-Up-Routine kommentieren, wobei allerdings die Untertitel fehlen, da Jimenez’ Englisch leider nicht ganz so international verständlich wie sein Tanzstil ist (nur dass die Zigarre ihn innerlich wärmt kann man gut hören). Und schließlich versuchte sich ein Spaßvogel daran, das Ganze als Musikvideo zu nutzen – allerdings noch arg verbesserungswürdig. Das geht besser, liebe Videokünstler.

Üble Nachrede

Nach seinen Eskapaden bei der Open de France ist Bubba Watson ein einfaches Ziel für Hohn und Spott. Laut dem Telegraph gibt es ein Gerücht, Bubba habe in seiner Schlussrunde mit Bo Van Pelt einen Ordner gefragt, wo man denn hier was Gutes zu essen bekäme. Als der Ordner ihnen einen Inder empfohl, soll Bo Van Pelt gefragt haben “Was ist denn ein Hindu?” Bubbas Antwort: “Es legt Eier”. Nette Geschichte, aber natürlich ist nichts wahres dran. Das Zitat stammt aus der von den “South Park”-Machern gedrehten Satire-Serie Hier kommt Bush!, wie eine simple Google-Suche es den Telegraph-Autoren gezeigt hätte.

Was lange währt…

Kein Spieler hat so lange auf seinen ersten Open-Sieg warten müssen wie Darren Clarke. Erst bei seiner 20. Teilnahme konnte er endlich den Claret Jug in die Höhe recken. Mit Abstand ein neuer Rekord: Bisher war Nick Price mit seinem ersten Sieg im 15.Start der geduldigste Champion Golfer of the Year. Dahinter folgen:

  • Sandy Herd (14. Teilnahme, 1902)
  • Jack White (13. Teilnahme, 1904)
  • Ted Ray (13. Teilnahme, 1912)
  • Reg Whitcombe (13. Teilnahme, 1938)
  • Mark O’Meara (13. Teilnahme, 1998)

Bemerkenswert auch, dass nur zwei Spieler bei ihrem ersten Major-Sieg älter waren als der 42-Jährige Clarke. Rekordhalter ist Jerry Barber, der mit 45 Jahren 1961 die PGA Championship gewann, während Roberto De Vicenzo 1967 bei seinem Open-Sieg 44 war. Der Argentinier ist einer von insgesamt nur drei Open-Champions (Harry Vardon und Old Tom Morris die anderen), die in höherem Alter den Claret Jug gewannen.

Hole-in-One

Den Schlag des Turnier erzielte ganz eindeutig der 61-Jährige Tom Watson mit seinem Hole-in-One in der zweiten Runde.


Es gab aber noch jemanden, der in höherem Alter ein Ass bei der Open spielte. Dem 71-Jährigen Gene Sarazen gelang 1973 in Royal Troon auf dem legendären Postage Stamp Hole das Kunststück.

Der magische Spind

Es wird sicherlich nur ein Zufall gewesen sein, doch wenn die Open Championship das nächste Mal nach Royal St. George’s kommt, wird es einen harten Kampf um einen ganz bestimmten Spind im Umkleideraum geben. Denn Darren Clarke durfte die gesamte Woche genau den Spind benutzen, den 1993 auch schon Greg Norman in Beschlag genommen hatte als er die Open gewann. Weil Norman wegen einer Schulterverletzung ausfiel, war sein Spind in diesem Jahr frei und Clarke erhielt den Zuschlag. “Tom Watson meinte vor dem Turnier, das könnte ein Glücks-Spind für uns werde”, erinnerte sich Clarkes Caddie John Mulrooney. Spannend könnte es allerdings werden wenn bei der nächsten Austragung in Royal St. George’s Clarke und Norman antreten würden. Vielleicht gibt es dann schon vor dem Turnier ein Playoff.

Luck of the Irish

Nordirland hat ziemlich exakt so viele Einwohner wie Hamburg. Ein einziger Major-Sieger aus diesem kleinen Land wäre schon beeindruckend genug, aber in den letzten 13 Monaten gab es gleich drei von ihnen. Von den letzten sechs Major-Turnieren gingen drei an die Ulstermänner Grame McDowell, Rory McIlroy und jetzt Darren Clarke. Um diese historische Leistung mal in eine Perspektive zu bringen: Seit der Einführung des Masters im Jahr 1934 hat es nur einmal ein Land, das nicht USA heißt, geschafft drei von sechs Majors zu gewinnen – oder besser gesagt ein Mann: der Ire Padraig Harrington 2007/2008. Ansonsten ist weder den Engländer, noch den Spaniern, Südafrikaner oder Australieren eine solche Leistung gelungen.

Die Einsamkeit des Langstreckengolfers

Es gibt Open Champions – und es gibt OPEN CHAMPIONS. Diese Erfahrung musste Paul Lawrie laut Telegraph machen. Während Tom Watson bei einer Autogrammstunde mehr als 250 seiner Bücher verkaufte und signierte, hörte Paul Lawrie bei seiner Autogrammstunde an einem Klamottenstand die Flöhe husten. Innerhalb einer halben Stunde musste er angeblich nur zwei Autogrammwünsche erfüllen. Den Rest der Zeit wurde er mit dem Kleidungsverkäufer verwechselt – und nutzte vermutlich die viele Freizeit um sich selber ein Tom-Watson-Autogramm zu holen.

Vom Vize zum Meister

Im vergangenen Jahr diente Darren Clarke während des Ryder Cups noch als Vize-Kapitän für Colin Montgomerie. Jetzt darf er sich Major-Sieger nennen. Mehr als Zufall? Wenn man sich das Leaderboard der diesjährigen Open anschaut, fällt die geballte Präsenz der Vize-Kapitäne von Celtic Manor auf. Auf europäischer Seite glänzten neben Clarke auch noch Thomas Björn als Vierter und Sergio Garcia als Neunter. Aber auch die amerikanischen Vizes überzeugten: Davis Love III belegte Platz 9, Tom Lehman wurde 22. Ärgerlich für Paul McGinley, Jose-Maria Olazabal, Jeff Sluman und Paul Goydos, dass sie sich nicht für die Teilnahme qualifiziert hatten.

Stenson’s Eleven

Lange Zeit sah es so aus, als sollte Gregory Havret mit einer 10 den höchsten Score bei der diesjährigen Open kegeln. Doch dann wurde der Franzose von Henrik Stenson gerettet. An Bahn 14, die später auch Dustin Johnson zum Verhängnis werden sollte, schlug der Schwede erst zwei Abschläge rechts ins Aus und dann schließlich seinen zweiten Schlag mit dem dritten Ball in den sogenannten “Suez Canal”, der das Fairway kreuzt. Mit einer 80 blieb Stenson am Ende erstaunlicherweise aber immer noch drei Schläge besser als in der ersten Runde des Masters als er mit Hilfe einer 8 und einer 7 insgesamt auf 83 Schläge kam.

Die 10 heißesten Golfer auf dem Planeten

Die Open Championship lieferte verwirrende Ergebnisse. Die gemeinhin als besten Spieler geltenden Stars verpassten den Cut oder blieben hinter ihren Möglichkeiten zurück während Spieler, die vollkommen auf dem absteigenden Ast waren, plötzlich zurückkehrten. Als Folge halten sich die Veränderungen in dieser Top 10 Grenzen. Einzig Dustin Johnson schafft den Sprung zurück in die Top 1o, dafür muss Nick Watney weichen. Und an der Spitze zieht ein enttäuschender McIlroy wieder am völlig enttäuschenden Donald vorbei.

  1. Rory McIlroy (+1)
  2. Luke Donald (-1)
  3. Steve Stricker (+1)
  4. Lee Westwood (-1)
  5. Charl Schwartzel (+2)
  6. Jason Day (-1)
  7. Sergio Garcia (+3)
  8. Matt Kuchar (-1)
  9. Dustin Johnson (new)
  10. Charles Howell III (-1)

Ein Kommentar
  1. Buckelwal

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