Week in Review: Ausgabe 7/2012

Cinderella Story

Im letzten Dezember saß John Huh betrübt im Clubhaus von PGA West. Gerade hatte er am letzten Loch der Q-School seinen zweiten Schlag ins Wasser geschlagen und war sicher damit seine Chance auf die PGA Tour versenkt zu haben. Doch er hatte Glück: als allerletzter Spieler erhielt er eine der Tourkarten für 2012. Jetzt, zweieinhalb Monate später, ist der 21-Jährige PGA-Tour-Sieger. Eine Cinderella-Story, wie es sie nur sehr selten gibt. Nachdem er die Voraussetzungen für ein Golfstipendium an einer US-Uni nicht erfüllte, beschloss Huh Profi zu werden und ging auf die Korean Tour wo er 2010 immerhin seinen ersten Profisieg feierte. Im letzten Jahr beschloss der in Chicago aufgewachsene Huh dann sein Glück auf der PGA Tour zu versuchen. Er kämpfte sich durch alle drei Stufen der Q-School wobei er beinahe bereits in der ersten gescheitert wäre. Wie besonders sein Karrierestart war? Der letzte Spieler, der alle drei Q-School-Stufen überstand und anschließend als Rookie eine PGA-Tour-Sieg feierte war ein gewisser Dustin Johnson.

Playoff ohne Ende

Bei der Mayakoba Golf Classic duellierten sich Robert Allenby und John Huh über sage und schreibe acht Löcher bis mit dem jungen Koreaner am Ende endlich ein Sieger feststand. Es war das zweitlängste Playoff der PGA-Tour-Geschichte nach dem endlosen Kampf zwischen Cary Middlecoff und Lloyd Mangrum bei der Motor City Open 1949, das nach elf Löchern damit endete, dass sich beide auf ein Unentschieden einigten. Seither gab es vier Playoffs, die über acht Löcher gingen:

  • Azalea Open 1965: Dick Hart besiegt Phil Rodgers
  • Greater Milwaukee Open 1978: Lee Elder besiegt Lee Trevino
  • Quad Cities Open 1981: Dave Barr besiegt Woody Blackburn, Dan Halldorson, Frank Conner und Victor Regalado
  • Phoenix Open 1983: Bob Gilder besiegt Rex Caldwell, Johnny Miller und Mark O’Meara

Einladung? Welche Einladung

Vor wenigen Woche verkündete die United States Golf Association stolz, dass sie die Tür für Amateure öffnet. Ab 2012 sollten die Gewinner der British Amateur sowie der Ladies British Amateur für die jeweilige U.S. Open zugelassen werden. Für die Engländerin Lauren Taylor ein Traum. Als sie davon hörte, brach die 17-Jährige in Jubel aus. Doch sie hat sich zu früh gefreut, denn die ach so weise USGA hat plötzlich gemerkt, dass vor der U.S. Women’s Open 2012 ja noch eine Ladies British Amateur stattfindet. Anständige Menschen würden in so einem Fall den eigenen Fehler ausgleichen indem man zwei Einladungen ausspricht. Doch wir sprechen hier von der obersten Golfbehörde der USA und hier muss Ordnung vor Gerechtigkeit gehen. Also darf sich Lauren Taylor die U.S. Women’s Open am Fernseher anschauen – es sei denn sie verteidigt ihren Titel.

Matt gesetzt

Als Stand-Up-Comedian ist Matt Kuchar ungefähr so lustig wie Mario Barth. Unmittelbar nach seinem verlorenen Viertelfinalmatch gegen Hunter Mahan versuchte Kuchar vor der Kamera einen Witz – behauptete er zumindest. Wenige Tage zuvor hatte TV-Kommentator Nick Faldo bei einer Fernsehdiskussion über den aktuellen Zustands des Golfs seinem Unmut über die langen Putter Luft gemacht: “Es heißt Golfschwung, nicht Golfverankerung. Lass die Amateure tun was sie wollen, aber für Profis sollten wir einmal einen ernsten Blick auf die Golfregeln werfen.” Äußerungen, die bei Langstiel-User Matt Kuchar nicht gerade für Freude sorgten. Kombiniert mit seinem Frust über das Ausscheiden sorgte dies dafür, dass Kuchar vor laufender Kamera den Wunsch äußerte Faldo einmal kräftig in den Nacken zu schlagen. Später entschuldigte er sich dafür indem er behauptete einen Witz machen zu wollen und suchte sogar Sir Nick persönlich auf um die Sache aus der Welt zu schaffen. Vermutlich weil der Hänfling wusste, dass er gegen Faldo in einem Faustkampf keine 30 Sekunden durchhalten würde.

Zwangsurlaub für Marcel Siem

2.571 Euro. Das ist der Betrag, der am Ende Marcel Siem fehlte um nächste Woche an der Cadillac Championship teilzunehmen. Hätte er dies vorher gewusst, wäre er beim Avantha Masters vielleicht nicht volles Risiko auf Sieg gegangen und hätte sich mit einem Birdie am letzten Loch den alleinigen zweiten Rang und einen Platz in Doral gesichert. Doch wenn man die Chance auf einen Turniersieg hat, muss man auch alles dafür geben. Tatsächlich verpasste Siem den zehnten Platz aufgrund eines Umstandes, der mir persönlich schon lange ein Dorn im Auge ist: die garantierten Preisgelder bei WGC-Turnieren. Retief Goosen verabschiedete sich in der ersten Runde des Accenture Match Play und bekam für diese großartige Leistung 34.000 Euro, die ihn im Race to Dubai auf Platz acht brachten (und zwei Weltranglistenpunkte). Etwas, was ganz unabhängig von Marcel Siem wieder einmal beweist, dass die WGC-Turniere in erster Linie dafür gemacht sind, die Top-Spieler der Welt an der Spitze zu halten.

Das Ende einer Freundschaft

Einst waren Lee Westwood und Rory McIlroy die dicksten Kumpel auf den Touren dieser Welt – bis Rory McIlroy den Management-Stall von Chubby Chandler verließ. Mittlerweile hat sich das Verhältnis um nahezu 180° gedreht. Westwood ätzte auf Twitter gegen Rorys Entscheidung, der daraufhin Westwood entfolgte. Und auch vor dem Halbfinale der beiden beim Accenture Match Play klangen leichte Animositäten durch. Doch wie so oft fallen vor allen Dingen auf dem Golfplatz die Masken und wer das Halbfinalmatch live im Internet (danke nochmal für die Nicht-Ausstrahlung, Sky Deutschland) verfolgte, konnte die Spannung zwischen den beiden förmlich spüren. Selbst kürzeste Putts wurden nicht geschenkt und gute Schläge emphatischer als üblich gefeiert. Nichts illustrierte dies besser als Lee Westwood (ich glaube es war auf der 15) einen langen Putt lochte, ekstatisch die Faust ballte und durch die Luft schlug und anschließend einen Todesblick in Richtung McIlroy schickte. Es wird spannend sein, ob sich aus den einstigen Freunden eine Rivalität wie zwischen Phil Mickelson und Tiger Woods entwickelt.

Lee Westwood, die Zweite

Für die amüsantesten Zitate des Wochenendes war ebenfalls Lee Westwood verantwortlich. In der Pressekonferenz wurde er darauf angesprochen, warum er auf der Driving Range an seinem Telefon rumspielte. Westwood gestand, dass eines seiner Pferde an einem Rennen in Dubai teilnahm und er sehen wollte, wie es abgeschnitten hat. Als man ihn nach dem Ergebnis fragte, antwortete der immer noch ohne großen Turniersieg dastehende Engländer trocken: “Rerouted ist ein gutes Pferd, leider gewinnt es nie. Wenigstens wurde es dieses Mal Zweiter, damit kann ich mitfühlen.”
Auf dem Platz hatte dann sein Caddie Billy Foster die Lacher auf seiner Seite. Als sein Arbeitgeber einen Drive so verzog, dass er im Pullover einer Zuschauerin stecken blieb, bat Foster sie trocken doch bitte kurz mal 200 Meter weiter Richtung Grün zu gehen. Die ganze Szene im Video:


Trumps neues Spielzeug

Donald Trump hat ein neues Spielzeug. Der exzentrische US-Multimillionär mit einem Hang zum Golfspiel, der in Schottland gerade einen Kampf gegen Windmühlen führt, hat sich jetzt offiziell das Doral Golf Resort, in dem das nächste WGC-Turnier stattfindet, unter den Nagel gerissen. 150 Millionen Dollar blätterte er für das Hotel und die fünf dazugehörigen Golfplätze hin. Ein echtes Schnäppchen wenn man bedenkt, dass das Resort 2007 noch für 500 Millionen Dollar über den Tisch ging. Insofern hat Donald auch noch genug Taschengeld übrig um das unprofitable Projekt wieder auf Vordermann zu bringen. Die gleiche Summe des Kaufpreises will er noch einmal in die Modernisierung stecken. Dabei sicherte er sich für die Golfplätze die Dienste eines hochangesehenen Architekten. Gil Hanse, der Designer von Castle Stuart – umjubelter Austragungsort der Scottish Open -, wird alle Plätze auf Herz und Nieren prüfen, darunter auch das legendäre Blue Monster. Obwohl Trump seinen Namen gerne in all seinen Projekten verewigt bestätigten sich Gerüchte, dass der Platz anschließend in Trump Monster umgetauft werden soll, bisher nicht.

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