Week in Review: Ausgabe 12/2012

Einfach mal die Klappe halten

Normalerweise kennt man Mundschutz nur von Kontaktsportarten wie American Football oder Boxen, doch jetzt hat auch ein erster Golfer damit begonnen, ihn zu benutzen. Der Japaner Naomichi Ozaki schwört darauf, dass der Mundschutz hilft, seinen Kiefer und damit auch die restlichen Muskeln zu entspannen – mit beachtlichen Folgen. Er habe plötzlich jede Menge Weite gewonnen, erzählte Ozaki nach der ersten Runde des Token Homemate Cup. Blöderweise befand sich das Wettkampfkomitee in Hörweite und entschloss sich, ein Exempel zu statuieren. Sie disqualifizierten Ozaki nach Regel 14-3 für die Benutzung eines unerlaubten, künstlichen Hilfsmittels. Das berichtet zumindest der Blog Golf Girl’s Diar, die ihre Informationen direkt aus Japan erhielt. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse ist die Geschichte schwer zu verifizieren, aber zumindest wurde Ozaki laut der Webseite der Japan Tour definitiv als disqualifiziert verzeichnet.

Zwischen allen Stühlen

Er hat mittlerweile die US-Staatsbürgerschaft angenommen und fühlt sich längst mehr als Amerikaner, aber Carl Pettersson ist auf dem Papier immer noch Schwede. Und mit dem Sieg bei der Heritage hat der 34-Jährige den Rekord von Jesper Parnevik für die meisten schwedischen Siege auf der PGA Tour (fünf) eingestellt. Nicht nur das: Auf der Liste der Europäer mit den meisten PGA-Tour-Triumphen belegt Pettersson jetzt hinter Nick Faldo und Seve Ballesteros (9), Sergio Garcia (7) sowie Jose Maria Olazabal und Sandy Lyle (6) Platz sechs. Damit ist er der einzige Europäer mit mindestens 5 Siegen in den USA, der noch nie im Ryder Cup gespielt hat. Und dabei wird es wohl auch bleiben: Weil er erst nach seinem 18. Lebensjahr US-Staatsbürger geworden ist, darf er nicht für die USA spielen, und weil er kein Affiliate Member der European Tour ist, taucht er in den europäischen Punktelisten nicht auf. Vermutlich ist ihm das sogar ganz Recht, weil er ansonsten in Gewissenskonflikte käme.

Bäumchen wechsel Dich

Und wieder grüßt ein anderer von der Spitze der Weltrangliste. Weil Rory McIlroy in der vergangenen Woche spielfrei hatte und damit seinen Divisor reduzierte, hätte Luke Donald nur mit einem achten Platz bei der Heritage seine Weltranglistenführung verteidigen können. Das misslang deutlich und so haben wir den dritten Führungswechsel in den letzten sieben Wochen und Rory ist zurecht wieder da, wo er seit vielen Wochen in der AlGoRa unangefochten steht. Die vielen Rotationen in der OWGR sind aber noch lange kein Rekord: 1997 gab es innerhalb von elf Wochen sogar sechs Wechsel mit insgesamt vier verschiedenen Spielern: Tiger Woods, Tom Lehman, Greg Norman und Ernie Els.

Masse statt macht Klasse

Es ist sicher nicht ganz fair, das Äußere von Golfern zu thematisierern – am Ende zählt im Golfsport nur wer die wenigsten Schläge gebraucht hat, egal welche Hosen er trägt, welche Schläger er spielt oder welche Kleidergröße er hat. Doch das Leaderboard der RBC Heritage war so auffällig von Männern mit Rundungen bevölkert, dass man nicht daran vorbei kann. Drücken wir es mal so aus: Wer sich seit Jahren vehement gegen Vorurteile wehrt, dass Golf kein Sport ist, sollte hoffen, dass niemand das Turnier in Harbour Town gesehen hat. Denn die ersten fünf des Leaderboards (Carl Pettersson, Colt Knost, Kevin Stadler, Billy Mayfair und Hänfling Zach Johnson) brachten ein Kampfgewicht von 465 Kilogramm und einen durchschnittlichen Body-Mass-Index von fast 30 (!) auf die Waage – und das, wenn man die offiziellen Zahlen aus dem Mediaguide nimmt, die im Falle des Siegers Carl Pettersson offensichtlich nicht mehr ganz dem aktuellen Stand entsprechen. 2009 hatte Pettersson fast 15 Kilo abgenommen und als Folge komplett seinen Schwung verloren. Nicht der erste, dem dies widerfuhr. Jetzt schiebt der Schwede wieder eine Kugel vor sich her und ist in die Erfolgsspur zurückgekehrt – auch wenn dies sicher nicht das Image ist, das PGA-Tour-Chef Tim Finchem propagieren will.

We Need to talk about Kevin

Im letzten Jahr schrieb Kevin Na bei der Texas Open Geschichte als er eine 16 auf einem Par 4 notierte und dabei auch noch ein Mikrofon trug. Jetzt bekommt er die Chance, sich zu rächen. Die Offiziellen des TPC San Antonio luden Na ein, ihnen am heutigen Montag bei der Entrümpelung des Waldes auf der rechten Seite des neunten Fairways zu helfen. Dort hin hatte der Amerikaner zwei seiner Abschläge verzogen und blieb anschließend diverse Male in den wild wuchernden und lose herumliegenden Ästen und Büschen hängen. Wenn Na allerdings die Kettensäge ähnlich schnell bedient wie seine Schläger, wird das Turnier am Donnerstag mit Verspätung beginnen.

Texas Scramble

Am 5.Mai bekommen die Zuschauer der Insperity Championship ein historisches Spektakel geboten: ein Scramble mit einem sensationellen Golfer-Quartett. Die einzige Frage für die Fans wird sein: wer ist hier der Superstecher? Arnold Palmer, Jack Nicklaus, Gary Player und Lee Trevino werden im Rahmen des Champions-Tour-Events ein 18-Loch-Scramble spielen (mit Unterstützung von Don January, Miller Barber, Gene Littler, David Graham und Dave Stockton) und dabei mit Sicherheit das reguläre Turnier in den Schatten stellen. Wer also Anfang Mai zufällig in der Nähe des Woodlands Tournament Course ist, sollte einmal einen Blick riskieren. Der Eintritt ist frei und es könnte vielleicht die letzte Chance sein, dieses historische Quartett gleichzeitig auf einem Goldplatz spielen zu sehen. Insgesamt bringen es die neun Teilnehmer des Scrambles auf 46 Major-Siege und 210 weitere PGA-Tour-Titel.

The Bucket List

Er hat es geschafft: Kirk Triplett ist auf der Champions Tour angekommen. Vor drei Jahren war der von vielen Verletzungen geplagte Mann mit dem Bucket Hat eines der ersten Themen in diesem Blog. Am 29. März wurde er endlich 50 und beim Pro-Am of Tampa Bay durfte der dreimalige PGA-Tour-Sieger erstmals auf seiner neuen Heimat spielen – und belegte gleich den achten Platz. Der Preisgeldscheck von 42.000 Dollar war sein höchster seit einem Nationwide Tour Sieg im letzten August.

Bubbas Medien-Tour

Masters-Sieger in den USA dürfen traditionell bei David Letterman auftreten und so kam auch Bubba Watson in den Genuss, sein grünes Jackett im US-Fernsehen aufzutragen. Der offensichtlich notorisch an Golf uninteressierte Letterman stellte wie immer lustlos die Fragen, die ihm seine Redaktion aufgeschrieben hatte, doch Watson ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und gab eine überraschend gute Figur auf. Vor allem seine Antwort auf die Frage, wie er seinen speziellen Golfstil nennen würde, ist schon jetzt ein Klassiker.

Europas Ryder Cup Team: nur noch 8 freie Plätze

Wenn heute die Ryder Cup Teams bekannt gegeben würden, wäre Martin Kaymer dank seines Sieges bei der HSBC Champions dabei. Doch noch sind ein paar Monate zu spielen und gemessen an den Qualifikationsergebnissen von 2010 hat der Deutsche bisher erst 75% seiner zu bringenden Leistungen erspielt. Zieht man die Ergebnisse von 2010 mit den Kriterien von 2012 heran (erst 5 von der European Points List, dann 5 von der World Points List), bräuchte man 2,3 Millionen Euro Preisgeld oder 182 Weltranglistenpunkte um ins Team von Jose Maria Olazabal zu kommen. Somit dürften wir schon einmal vier Spieler fest für Medinah einplanen: Rory McIlroy, Luke Donald, Justin Rose und Lee Westwood. Martin Kaymer müsste bis August noch etwa 700.000 Euro oder 40 Weltranglistenpunkte einfahren. Ein Unterfangen, das machbar erscheint.

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