Week in Review: Ausgabe 15/2012

Der neue Marcel Siem

Nach seinem Ausrutscher bei seinem letzten Start setzte Marcel Siem bei der Open de Espana seinen herausragenden Start in das Jahr 2012 mit einem 12. Platz fort. Wie gut 2012 für ihn ist? Mittlerweile hat er neun Turniere in Folge (sogar das wo er den Cut verpasste) mit einem Ergebnis unter Par abgeschlossen, saisonübergreifend sind es sogar 10. Siems bisheriger persönlicher Rekord lag bei sechs Turnieren in Folge in den roten Zahlen, erzielt Ende 2009. Doch nichts illustriert besser den bisherigen Zenit seiner Karriere als ein Vergleich der ersten neun Turniere jeder European-Tour-Saison seit 2002. Noch nie – nicht einmal 2004 als in diesen Zeitraum sein einziger European-Tour-Sieg fiel – erzielte Siem in den ersten neun Turnieren bessere Scores oder verdiente er mehr Geld:

Jahr Gesamtscore Preisgeld
2012: -51 €359.000
2011: +25 €31.000
2010: -3 €53.000
2009: +4 €65.000
2008: +16 €36.000
2007: +29 €56.000
2006: +19 €31.000
2005: +15 €74.000
2004: -34 €217.000
2003: -11 €61.000
2002: +32 €35.000

Unsung Hero

Kaum jemand wird Notiz von ihm genommen haben, aber der heimliche Star auf der PGA Tour in den letzten drei Wochen ist Patrick Reed. Denn der 21-Jährige spielt die PGA Tour so wie sie vor 30 Jahren abgehalten wurde bevor auch noch der 7453. der Geldrangliste eine feste Tourkarte für das Folgejahr erhalten hat. Damals wurde ein Großteil der Startplätze für die Woche in Montags-Qualifikationsturnieren vergeben, die es auch heute noch gibt aber mit deutlich weniger Erfolgschancen. Für den College-Absolventen ist es jedoch die einzige Chance in Turniere hineinzukommen und so versuchte er es auch bei der Texas Open, wo man ihm in letzter Sekunde aber noch eine Sponsoreneinladung zukommen ließ. Reed, mit dem Team der Augusta State Universität zweimaliger College-Champion, nutze die Chance und wurde 35. Gleich nach dem Fallen des letzten Putts fuhr er mit seiner Verlobten/Caddie neun Stunden lang im Auto nach New Orleans weiter, wo er ohne viel Schlaf den Monday Qualifier durchstand und sechs Tage später einen 24. Platz bei der Zurich Classic feierte. Weiter ging es mit dem Flugzeug und ebensowenig Schlaf zur Montags-Qualifikation für die Wells Fargo Championship, die er mit einer 65 lässig durchstand um sich am Donnerstag mit einer 66 unter die Führenden zu schieben. Am Ende wurde er 32. – drei Bogeys auf den letzten sechs Löchern verhinderten eine noch bessere Platzierung – und hat nun exzellente Chancen, sich für 2013 zumindest einen Status auf der Nationwide Tour zu erspielen. Die beste Nachricht für Reed ist aber, dass er dieses Wochenende ausschlafen konnte: für die Players Championship gibt es keinen Monday Qualifier.

Rickie Rich

Rickie Fowler hat es geschafft: sein erster Sieg auf der PGA Tour ist eingetütet und das auch noch standesgemäß in einem Playoff gegen den besten Spieler der Welt, Rory McIlroy. Selbst amerikanische Journalisten waren zuletzt am Zweifeln ob Fowler überhaupt das Sieges-Gen in sich trägt, dabei vergisst man gerne einmal wie jung Fowler noch ist. Der 23-Jährige spielt gerade einmal seine dritte Saison auf der Tour und auch die 72 Turniere bis zu seinem ersten Sieg wirken nüchtern betrachtet gar nicht einmal so immens. Es sind nur die immensen Erwartungen, die auf Fowler ruhten – wie einst im Damengolf auf Michelle Wie. Jetzt, wo die Last des ersten Sieges von seinen Schultern gefallen ist, könnte man den Jungen erst einmal durchatmen lassen, aber nein: schon träumen US- und auch deutsche Medien von einer Rivalität zwischen McIlroy und Fowler, die in den nächsten Jahrzehnten den Golfsport prägen kann. Manche lernen es einfach nie. Dieser Blog hingegen hat nur eine bescheidene Hoffnung: dass sich Fowler von seinem Preisgeld endlich einmal eine Rasur leisten kann.

Bella Italia

Francesco 3, Edoardo 2. Mit seinem Sieg bei der Open de Espana rückte Francesco Molinari wieder die Familienverhältnisse gerade und zog an seinem älteren Bruder Edoardo in European-Tour-Siegen vorbei. Doch sein Brüderchen war nicht der Einzige, den der 29-Jährige passierte. Auch an seinen Landsleuten Matteo Manassero und Baldovino Dassù zog er vorbei. Damit steht als einziger Italiener vor Francesco Molinari noch Costantino Rocca, der auf fünf European-Tour-Siege in seiner Karriere kam. Insgesamt gab es in vierzig Jahren European Tour bisher erst 17 italienische Siege. Neben den Erwähnten haben nur noch Emanuele Canonica, Massimo Manelli und Massimo Scarpa je einmal einen Sieg feiern können.

Kölle Alaaf I Love

Paul Lawrie will zum Ryder Cup. Diesem Ziel ordnet der Schotte alles unter, sogar seine Würde. Statt Anfang Juni an der U.S. Open teilzunehmen, für die er über seine Weltranglistenposition qualifiziert ist, verzichtet er unter fadenscheinigen Gründen auf einen Start. So wie einige U.S.-Kollegen sich wegen des Wetters bei der Open Championships in die Hose machen und gar nicht erst hinreisen, sieht sich Lawrie chancenlos weil ihm die Setups der Plätze zu schwer sind und er bei vier Starts nur einmal den Cut schaffte. Das Einkneifen des Schwanzes vor einem Platz oder der Konkurrenz wird Lawrie sicher wenig hilfreich sein wenn José-Maria Olazabal seine Captain’s Picks bekannt gibt, aber durch die Vermeidung des Jetlags erhofft er sich bessere Chancen bei der BMW Open in Köln und damit einen Vorteil bei der direkten Qualifikation. Die hat er auch bitter nötig, denn sein Vorspielen bei Olazabal während der Spanish Open setzte Lawrie kräftig in den Sand: er verpasste sang- und klanglos den Cut.

Strafe muss sein…?

Zwei kuriose Regelentscheidungen gab es am vergangenen Wochenende bei der Wells Fargo Championship. Die erste traf Ryan Moore, dessen Ball sich auf dem Grün nach dem Ansprechen bewegte. Als er in der zweiten Runde an Loch 11 einen Tap-In zum Par lochen wollte, setzte sich Moore Ball um Millimeter in eine Bodendelle zurück. Kein Problem, schließlich hatten die Golfauguren ja dafür extra Regel 18-2b geändert – dachte zumindest Moore. Doch die Straffreiheit betrifft lediglich Bälle, die vom Wind oder anderen äußeren Einflüssen bewegt werden. Die Schwerkraft zählt nicht dazu und so musste Moore sich widerwillig einen Strafschlag anschreiben. Ein teures Vergnügen, denn statt alleiniger Fünfter zu werden musste sich Moore den Platz mit zwei weiteren Spielern teilen – ein Unterschied von 20.000 Dollar
Ganz ohne Strafe kam dagegen Tiger Woods weg, obwohl er einen Ball verloren hatte. An Loch 5 jagte er einen Ball in die Bäume, der nicht wieder aufzufinden war. Nachdem mehrere Leute behaupteten der Ball sei aus dem Baum wieder herausgekommen und ihn dennoch niemand finden konnte, beschloss der Offizielle Mark Russell, dass ihn jemand eingesteckt haben müsse und Woods durfte straffrei einen neuen Ball ins Spiel bringen. Eine Entscheidung, die für viel Unmut sorgte – zumal sich später Stimmen mehrten der Ball sei gar nicht aus dem Baum herausgekommen. Am Ende half Woods aber auch dieses Geschenk mit Nachgeschmack nicht, er verpasste dennoch den Cut.

Großbritanniens notleidende Golfer

Die Sunday Times hat eine der vielen Rich Lists veröffentlicht, dieses Mal zum Thema Sportler. Natürlich gibt es niemanden, der tatsächlich auf die Kontos der Stars blicken kann was eine solche Liste per se schon einmal sinnlos macht, aber wer sich dafür interessiert: Reichster britischer Golfer ist Sir Nick Faldo, der von einem Experten auf 34 Millionen Pfund geschätzt wird, knapp vor Padraig Harrington (33) und Colin Montgomerie (28), Luke Donald und Lee Westwood (25) sowie Ian Poulter und Ian Woosnam (20). Noch fünf weitere britische Golfer finden sich in den Top 100, die wie immer von David Beckham angeführt wird. Der soll 160 Millionen Pfund schwer sein und damit mehr besitzen als die Top-5-Golfer zusammen. Da sage noch mal einer, Golf sei ein Sport für Reiche…

4 Kommentare
  1. SebSwo
  2. Sense
  3. SebSwo
  4. SebSwo

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