Week in Review: Ausgabe 20/2012

Gruppendynamik

Es ist in jedem Jahr ein großer Spaß zu sehen, wie die USGA die Paarungen für die ersten beiden Runden der U.S. Open zusammenstellt. Denn wo andere Turniere behaupten, sie würden fair losen, gibt die USGA gar nicht erst vor neutral zu sein. Sie stellt die Gruppen nach Lust und Laune zusammen und manchmal hat man den Eindruck, dass sich der Promillepegel dabei weit von 0 entfernt hat. Ja, es gibt ein paar offensichtliche Star-Paarungen wie in diesem Jahr die ersten drei der Weltrangliste (Donald, McIlroy, Westwood) oder die drei größten Stars der USA (Tiger, Phil, Bubba). Doch die kleineren Paarungen offenbaren den Sinn für Humor der Verantworlichen Mike Davis und Jeff Hall. Man schaue sich einfach nur die beiden Gruppen an, deren einziges Kriterium der Vorname war: Carl (Pettersson), Charl (Schwartzel) und Charles (Howell III) sowie Robert (Karlsson), Robert (Rock) und Bob (Estes).
Auch sehr schön das Trio aus Langstiel-Puttern (Scott, Bradley, Simpson), die Initialisten (K.J.Choi, Y.E. Yang, K.T. Kim), die Doppelnamen (Fernandez-Castano, Sang-Moon, Cabrera-Bello), die One-Hit-Wonder (Cink, Immelman, Glover), die Ex-Champions (Ogilvy, Cabrera, Els) und die Young Guns (Fowler, Ishikawa, Dustin Johnson). Wie das Ganze Prozedere abläuft verrieten die beiden Herren der Flights golf.com. Sechs bis acht Stunden brauchen sie um die Gruppen zusammenzustellen und sind dabei manchmal diabolisch: einmal ärgerte Ex-USGA-Chef Frank Hannigan drei notorische Partygänger mit einer frühen Startzeit.
Sein Nachfolger Mike Davis verriet, dass sie sich bei ihren Paarungen oft vor lachen kaum halten können. Dabei schrecken sie auch vor kindischsten Dingen nicht zurück: “Einmal haben wir zwei Flights aus Riesen gefolgt von einem Flight mit Ian-Woosnam-artigen Zwergen zusammengestellt”. Nur eines gibt es nicht mehr: das Prick Pairing. Nachdem John Feinstein in einem Buch die Praxis offenlegte, dass die USGA immer drei ungeliebte Spieler zur Strafe zusammensteckt und jeder Journalist daraufhin den Arschloch-Flight suchte, hat man es (offiziell) aufgegeben.

Die neue Welt sieht alt aus

Der Curtis Cup, ein Duell der besten Amateurinnen und damit weibliches Pendant zum Walker Cup, ist eine ähnlich einseitige Geschichte wie der Solheim Cup: am Ende gewinnen immer die Amerikanerinnen. Doch so wie die europäischen Proetten im vergangenen Jahr die Durststrecke beendeten, taten es jetzt auch die Nachwuchsstars aus Großbritannien und Irland. Mit 10,5:9,5 blieb der Pokal erstmals seit 1996 wieder auf der Insel. Stephanie Meadow holte gegen Amy Anderson den entscheidenden Punkt und sorgte damit für die vollkommene Schmach der USA. Damit sind zum ersten Mal in der Geschichte des Golfsports alle vier Kontinentalvergleichstitel (Ryder-, Solheim-, Walker- und Curtis-Cup) in europäischer Hand.

Kinderspiel

So schade die Verletzungen von Brandt Snedeker und Paul Casey auch sind, ihre Zwangspause bei der U.S. Open hat den Weg für zwei spannende Geschichten bereitet. So brachte die Absage von Snedeker Jordan Spieth ins Feld. Der College-Golfer und mehrfache U.S. Junior Amateur Champion hat bereits bewiesen, dass er es mit den Großen aufnehmen kann. Bei der Byron Nelson Championship 2010 münzte er seinen ersten Start auf der PGA Tour gleich in einen 16. Platz um und bewies ein Jahr später mit Rang 32, dass es keine Eintagsfliege war.
Paul Caseys erneute Absage – und damit wohl die endgültige Begrabung seiner Ryder-Cup-Hoffnungen – machte Andy Zhang zum glücklichsten Teenager auf dem Planeten. Der 14-Jährige hatte die direkte Qualifikation nur im Playoff verpasst, darf jetzt aber ins Feld der U.S. Open nachrücken. Damit ist der Chinese, der seit seinem zehnten Lebensjahr in den USA lebt, der jüngste Teilnehmer aller Zeiten.

Wiederholungstäter

Tom Lehman hat es schon wieder getan: er hat seinen Titel bei der Regions Tradition verteidigt. Damit ist er der erste Spieler seit sechs Jahren, der einen Major-Titel bei den Senioren wiederholen konnte – zuletzt gelang dies Allen Doyle bei der U.S. Senior Open 2006 – und der erste seit Gil Morgan 1998, der die Regions Tradition zwei Mal in Folge holt. Für den einwöchigen Weltranglistenersten Lehman ist es das dritte Jahr in Serie mit einem Senioren-Major womit er ironischerweise an Bernhard Langer vorbeizog, der seit seinem legendären Doppel-Major 2010 zwar nie schlechter als Platz 12 abschnitt, aber kein weiteres Major einfahren konnte. Auch letzte Woche hatte der Deutsche als Zweiter wieder knapp das Nachsehen. Für Langer war es die zehnte Top-Ten-Platzierung in seinen letzten elf Starts, was ihn zwar an die Spitze des Charles Schwab Cup brachte, aber kaum trösten kann: sein letzter Sieg liegt immerhin 16 Monate zurück.

Chinese Supremacy

Auch bei den Damen gab es mit der LPGA Championship letzte Woche ein Major. Und am Ende gab es eine faustdicke Überraschung. Shanshan Feng gewann als erste Chinesin ein Damen-Major und rückte damit in der Weltrangliste bis auf Platz 5. Die 22-Jährige zog mit einer 67 in der Schlussrunde noch an sechs Konkurrentinnen vorbei und siegte am Ende mit zwei Schlägen Vorsprung vor vier schlaggleichen Spielerinnen, darunter auch die Amerikanerin Stacy Lewis, die ihre vierte Top-5-Platzierung in den letzten fünf Starts einfuhr.
Auch aus deutscher Sicht gab es ein erfreuliches Ergebnis. Sandra Gal, die nach den ersten zwei Runden noch um den Sieg mitgespielt hatte, beendete das Turnier auf Platz 12: ihr bestes Ergebnis des Jahres. Ganz anders sieht es dagegen bei der Dominatorin des Damengolfs aus. Yani Tseng fuhr mit Platz 59 das schlechteste Major-Ergebnis seit drei Jahren ein.

Chien Soon Who?

Während sich Bernhard Langer und Tom Lehman um den Titel bei der Regions Tradition duellierten, mischte sich ein dritter Spieler ein, dessen Name bei den meisten Golffans erst einmal ein großes Fragezeichen auslöste. Mit gutem Grund, denn der Taiwanese Chien Soon Lu – der am Ende Langer für den zweiten Platz teilte – war für einige Jahre außer Gefecht gesetzt. Aufgrund von Rückenproblemen konnte der 52-Jährige im 21. Jahrhundert kaum einen Golfschläger in die Hand nehmen. Nach einer beeindruckenden Karriere in Asien, die über 30 Turniersiege und den zweifachen Sieg der Asian-Tour-Geldrangliste umfasste, ging er 2001 in Frührente bis er dank Kräutertee und Physiotherapie seine Rückenprobleme in den Griff bekam und sich 2010 über die Qualifying School am achten Extraloch eine eingeschränkte Spielberechtigung für die Champions Tour erspielte. Bereits kurz danach setzte der Taiwanese mit einem zweiten Platz bei der Jeld-Wen Tradition – ein Major – ein erstes Ausrufezeichen, das er am vergangenen Wochenende wiederholen konnte.

Bernd braucht Brot

Wenn Bernd Ritthammer einmal über einen Ausflug in die Musikszene nachdenkt, sollte er es als Rapper versuchen. Den perfekten Künstlernamen hat er sich bereits in seiner 2012er European-Tour-Saison angeeignet: MC Ritthammer. Auch in seinem siebten Start in Folge hat die deutsche Nachwuchshoffnung wieder den Cut verpasst. Wie schlimm war die Saison für ihn bisher? Von nur 14 Runden, die er in 5 Monaten auf der Tour spielen durfte, hat er 11 Runden schlechter als Par gespielt. Resultat: sein Scoring-Durchschnitt würde ihn auf Platz 222 der European-Tour-Statistik bringen. Der Hauptgrund? Wenn man den rudimentären Statistiken der European-Tour-Seite glauben kann der Putter. Mit über 32 Putts im Rundenschnitt sind nur Wen-chong Liang, Steven O’Hara und Ross Bain schlechter als Ritthammer – mit dem Unterschied dass diese 10% mehr Grüns in Regulation getroffen haben. Und auch bei den Putts pro Greens in Regulation bildet Ritthammer mit 1.96 die absolute Niederung der European Tour.

Twitter-Fake

Während der zweiten Runde des Nordea Masters machte die Neuigkeit die Runde, dass der schwedische Profi Joel Sjöholm seine Runde live per Twitter kommentiert. Schnell wurden die Regelbücher gewälzt, ob dies denn überhaupt erlaubt sei – schließlich wurde schon mal ein Golfer disqualifiziert weil er einen iPod benutzte. Und tatsächlich wurde der Schwede von den Turnierverantwortlichen darauf aufmerksam gemacht, dass ihm das gleiche Schicksal droht sollte er sein Smartphone in die Hand nehmen. Und so wartete bereits nach der Runde die spanische Inquisition auf Sjöholm. Doch der hatte die Tweets gar nicht geschickt. Diese Aufgabe hatte sein Trainer übernommen. “Die Absicht war es meine Emotionen niederzuschreiben”, meinte der 27-Jährige nach verpasstem Cut. “Er muss einen guten Job getan haben wenn die Menschen dachten es sei ich gewesen.” Aus der Ferne betrachtet machte das Ganze allerdings eher den Eindruck eines verzweifelten Schreis nach Aufmerksamkeit.

Schluss machen per SMS

Am vergangenen Dienstag kam heraus, dass Phil Mickelson bevor er vom Memorial zurückzog so genervt von den Geräuschen von Kamera-Telefonen war, dass er sich noch während der Runde bei PGA-Tour-Chef Tim Finchem beschwerte – in einem bewussten oder unbewussten Anflug von Ironie per SMS. Mir ist eine Kopie der Konversation zugespielt worden.

8 Kommentare
  1. SebSwo
  2. Sense
  3. eifelmona
  4. halbgolfer
    • Linksgolfer
  5. SebSwo
  6. Sense

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