U.S. Open 2012: Statistiken und Randnotizen zur dritten Runde

Ein Monster wird gezähmt

Nein, der Olympic Golf Club wird wohl nie leicht werden, aber bisher wurde es für die Profis von Runde zu Runde leichter gute Ergebnisse zu erzielen. Lag in der ersten Runde der Schlagdurchschnitt noch bei 75, waren es in der zweiten nur 74. In der gestrigen dritten Runde musste man hingegen schon eine 72 erzielen um im Vergleich zum Rest des Feldes nicht zu verlieren. Gleich 13 Spieler schafften es unter Par ins Clubhaus einzukommen – so viele wie in den ersten beiden Runden zusammen. Der Grund ist die Menge an Wasser, die das Greenkeeping-Team auf die Grüns gekippt hat, damit die Geschwindigkeit nicht vollkommen außer Kontrolle gerät. Allerdings steht zu erwarten, dass man für die Schlussrunde noch einmal die Schwierigkeit anziehen wird und das Wasser etwas zurückfährt. Dabei wird wohl wieder Loch 6 den Profis die größten Schwierigkeiten bereiten, das seit dem gestrigen Samstag in der Schwierigkeit an Loch 1 vorbeigezogen ist.

Monday-Finish?

Wer sich bis morgen früh um 5 Uhr die TV-Übertragung der U.S. Open ansehen will, könnte ein böses Erwachen haben. Denn angesichts der schwierigen Platzverhältnisse und des engen Leaderboards ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die U.S. Open 2012 erst in einem Playoff in der Nacht von Montag auf Dienstag deutscher Zeit entscheidet. Es wäre mehr als überfällig, denn in den letzten 20 Jahren gab es nur 2008 und 2001 an der Spitze des Leaderboards einen Gleichstand nach 72 Löchern, die 20 Jahre davor waren es fünf Playoff-Entscheidungen.

Wahrscheinlichkeitsrechnung mit Tiger – Teil II

So viel zu 89% Siegwahrscheinlichkeit. Nachdem sich Tiger Woods am Samstag 18 Löcher lang über den Olympic Golf Club quälte und mit einer 75 die neuntschlechteste Runde aller Teilnehmer ins Clubhaus brachte, sind seine Siegchancen basierend auf seiner bisherigen Karriere auf 0% gefallen. Noch nie in seiner Karriere konnte er ein Major gewinnen, wenn er nicht nach drei Runden wenigstens in geteilter Führung lag. Davon ist er jetzt fünf Schläge und – schlimmer noch – 13 Plätze entfernt. Nur einmal in seinen 33 Karriererunden, die er als Major-Führender bestritten hat, hatte Woods ein gleich schlechtes Ergebnis wie gestern: bei der PGA Championship 2009 als er zum einzigen Mal eine 36/54-Loch-Führung nicht nach Hause schaukeln konnte.

Rough Day at the Office – Teil II

Zwei Mal hat sich Branden Grace am Freitag verwundert die Augen gerieben: Wo kommen denn diese kurzgemähten Flächen auf dem Weg zum Grün plötzlich her? Denn der Südafrikaner hat es tatsächlich geschafft in der dritten Runde zwei Fairways zu treffen. Damit hat er aktuell eine sensationelle Fairwayquote von 14,29%. Sollte Grace es schaffen auch heute auf seinen ersten 9 Löchern noch mal jedes Fairway zu verfehlen, kann er sich als Lottokönig fühlen: 6 aus 49.

Ein Kanadier auf Abwegen

Stephen Ames muss langsam fürchten, dass man ihm die Staatsbürgerschaft entzieht. Schließlich gelten Kanadier als die Höflichkeit in Person und Ames’ Äußerungen nach der dritten Runde passen dazu so gar nicht. Auch 24 Stunden später noch frustriert darüber, dass er die ersten beiden Runden hinter dem Mega-Flight Woods, Watson und Mickelson spielen musste, ließ er am Samstag erst einmal Luft ab: “Hinter Tiger zu spielen ist wirklich schwer. Wir standen auf dem sechsten Loch und mussten mit ansehen wie 80 Medienvertreter hinter dem Grün zum nächsten Abschlag trampelten. Leute, es gibt noch andere Spieler, die hier teilnehmen. Und in gewisser Weise ist es die Schuld der USGA, dass sie so viele Leute ihnen folgen lassen. Aber wir sagen ja schon seit Jahren, dass es eine Profiveranstaltung ist, die von Amateuren geleitet wird.” Mal sehen, was Martin Kaymer nach der Schlussrunde sagen wird. Denn heute hat er die zweifelhafte Ehre im Flight hinter Woods aufzuteen.

Das Ende einer Serie?

Seit Padraig Harrington 2008 die PGA Championship gewann, gab es bei jedem Major einen neuen Sieger. Die U.S. Open 2012 könnte diese Serie beenden, denn in geteilter Führung liegt mit Graeme McDowell ein Major-Sieger aus dem Jahr 2010. Damals ging der Nordire allerdings als Verfolger ins Rennen und hatte nicht die Favoritenrolle bei sich. Eine Parallele gibt es allerdings doch zu 2010. Drei Schläge hinter McDowell lag und liegt Ernie Els nach der dritten Runde.
Erfahrung eine U.S. Open als Führender ins Ziel zu bringen hat dagegen McDowells Co-Führender Jim Furyk, der bei seinem Sieg 2003 nach 54 Löchern mit drei Schlägen in Front lag. Es ist eine interessante Konstellation für die Schlussrunde, denn Furyk und McDowell hatten bereits die ersten beiden Runden zusammengespielt.(Der dritte im Bunde, Sergio Garcia, liegt als 18. auch noch gut im Rennen). Jim Furyk hält dabei auch noch eine ganz besondere Bestleistung. Er ist der einzige Spieler im Feld, der auf diesem ultraschwierigen Platz noch keine Runde über Par gespielt hat.

Amateur-Rekorde

Beau Hossler kann zwar in dieser Woche kein Geld gewinnen, doch der 17-Jährige Amateur hat immer noch die Chance, sich in den Geschichtsbüchern der U.S. Open zu verewigen. Nachdem er mit einer 70 immer in Runde drei noch immer keine Anstalten gemacht hat einzubrechen, liegt Hossler nach drei Runden immer noch auf Platz 8 und gibt sich in Interviews mehr als selbstbewusst. “Der Sieg ist definitiv drin für mich”, sagte Hossler am Samstagabend. Es wäre eine Sensation, schließlich hat das letzte Mal 1933 mit Johnny Goodman ein Amateur gewonnen. Aber auch wenn er “nur” den Platz in den Top 10 halten können, würde Hossler (oder auch Hunter Hamrick, der nur zwei Schläge dahinter liegt) einem sehr kleinen Zirkel beitreten. In den letzten 50 Jahren haben nur drei Amateure es geschafft, bei der U.S. Open in den Top 10 zu landen. 1961 wurde Jack Nicklaus Vierter, 1966 landete Johnny Miller auf Platz 8, und als letztem gelang es Jim Simons vor 41 Jahren mit einem fünften Rang.

Martin Kaymer, Putting-Gott!

Da sind sie auf einmal ganz still geworden, die ganzen Experten, die Martin Kaymer zum Putting-Deppen erklären und seinen Wechsel zum Two-Ball-Putter verdammen wollten. Denn nachdem sich Kaymer von den ganzen Stimmen (von außen und in seinem Inneren) beeinflussen ließ und mit desaströsem Ergebnis in Wentworth auf den Ping zurückwechselte, puttet er in diese Woche mit dem Odyssey wieder wie ein junger Gott. Mit 80 Putts hat er in den ersten drei Runden so wenige benötigt wie kein anderer. Und wenn man die Bilder von der gestrigen Runde gesehen hat, als er ein Birdie an das nächste reihte, waren dies beileibe keine Tap-Ins. Seine gestrige Ausnahmerunde war allerdings einem endlich verbesserten Eisenspiel geschuldet. Kaymer traf sage und schreibe 14 Grüns – so viele wie an den beiden Tagen davor zusammen und die drittmeisten des gesamten Feldes.

Auf ein Neues

Lee Westwood hat eine Chance die U.S. Open zu gewinnen. Mal wieder. Mit der besten Runde des Tages, einer 67, brachte sich der Engländer in Position endlich sein erstes Major gewinnen zu können. Drei Schläge liegt der 39-Jährige nur hinter dem Führungsduo zurück auf Rang vier und untermauerte damit erneut sein Label als “Bester Spieler ohne Majorsieg”. Bei seinen letzten zehn Majorstarts landete Westwood sage und schreibe sechs Mal in den Top 3 (!). Kein anderer Spieler auf der Welt kann eine Bilanz aufweisen, die nur annähernd daran heranreicht. Doch, dass er es heute endlich schafft, sein Stigma abzulegen, mag so Recht niemand glauben.

Der Schlag des Tages…

…gelang John Peterson. An Loch 13 gelang ihm das 42. Hole-in-One der U.S.-Open-Geschichte. Mit einem lockeren Eisen 7 versenkte der 23-Jährige seinen Abschlag am 181-Yard langen Par 3, machte aus einer 74 eine 72 und sprang zurück in die Top 10. Zuletzt erzielte Thongchai Jaidee 2010 in Pebble Beach ein Hole in One, das 40. erzielte Peter Hedblom 2006 in Winged Foot. Das letzte Hole-in-One im Olypic Golf Club fiel ebenfalls an Loch 13 in der dritten Runde der U.S. Open. Chris Perry hieß 1998 der glückliche Schütze.



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