Week in Review: Ausgabe 22/2012

Rettungsfond für notleidende Golfer

Die Silly Season ist um ein Event reicher. Neun Tage nach dem Ryder Cup werden in Antalya die “Turkish Airways Golf Finals” stattfinden, ein Matchplay-Event, das zwar nur acht Spieler aufzubieten hat, diese aber mit dem bisher höchsten Preisgeld anlockt. Sage und schreibe 1,5 Millionen Dollar soll der Sieger des Turniers bekommen, während der Zweitplatzierte sich mit einer Million Dollar trösten kann. Nur die letzten beiden können schon mal ihren Hartz-IV-Antrag einreichen. Lediglich 300.000 Dollar wird ihre Niederlage wert sein. Schämt Euch, Ihr türkischen Geizkragen. Sogar das Feld des Turniers steht schon so gut wie fest. Als Zugpferd soll Tiger Woods (der einen Sponsoren-Deal mit der Fluglinie eingeht und sogar noch Antrittsgeld bekommt) das von Ex-McIlroy-Manager Chubba Chandler organisierte Event anführen. Hinzu kommen Charl Schwartzel, Roy McIlroy, Lee Westwood, Luke Donald, Hunter Mahan sowie Justin Rose und Webb Simpson, die als Nachrücker ins Feld kamen, weil Martin Kaymer und Steve Stricker ihre Einladung ablehnten.

Triumph of the Irish

Die diesjährige Irish Open sollte als Testevent dafür gelten, ob Royal Portrush in der Lage ist, ein Großevent zu stemmen und eventuell nach 1951 wieder eine Open Championship zu bekommen. Die Antwort auf den ersten Teil war zumindest ein ausdrückliches JA! Das perfekt organisierte Event spülte der European Tour nicht nur einen Gewinn von einer Million Euro in die Tasche, es war das erste Nicht-Major-Turnier, das an allen vier Tagen ausverkauft war. 112.280 Zuschauer tummelten sich an den vier Tagen an den Fairways, die teilweise in 15er-Reihen belegt waren. Ja sogar beim Pro-Am am Mittwoch waren schon über 14.000 neugierige Nordiren vor Ort. Hinzu kam, dass auch der von Harry Colt gestaltete Platz dem Test standhielt. Trotz feuchter und damit recht einfacher Grüns lag die beste Runde bei einer 65, vier Schläge über Platzrekord. Doch ein Platz in der Open-Rota, der frühestens 2017 zur Verfügung steht, ist noch lange nicht garantiert. Shane Lowry beispielsweise merkte an, dass die Zuschauer nahe an den Fairways stünden und das Rough dadurch niedergetrampelt und fast komplett aus dem Spiel genommen wird, während Paul McGinley für mehr Bunker und längere Löcher plädierte sollten die Open hier stattfinden: “Das hier war das erste Profiturnier in 40 oder 50 Jahren auf diesem Platz und natürlich ist die Technologie heute ganz anders”. Das größte Problem für eine Open-Austragung sind aber weder Sorgen um den Platz, noch um den Zuschauerzuspruch: es ist ein politisches. Zum traditionellen Open-Zeitpunkt in der zweiten Juli-Woche finden die Oraniermärsche in Nordirland statt, die zuletzt 2010 für blutige Unruhen zwischen Protestanten und Katholiken sorgten.

Der alte Tiger?

Es war kein dominanter Sieg. Tatsächlich verdankt Tiger Woods seinen Erfolg beim AT&T National zum Teil auch einer gehörigen Portion Glück wenn man die Ereignisse an Loch 16 gesehen hat. Doch Fakt ist, dass Woods als einziger Spieler auf der PGA Tour jetzt drei Siege in diesem Jahr eingefahren hat und – würde man heute wählen – sicherer Sieger der Wahl zum Spieler des Jahres wäre. Natürlich gibt es immer noch Stimmen, die seine Rückkehr zur einstigen Stärke erst sehen wollen, wenn er wieder ein Major gewinnt. Doch das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Niemand hat in 2012 so viele Weltranglistenpunkte eingefahren wie Woods, und so hat er in der AlGoRa mittlerweile wieder die Spitze übernommen. Vor allem aber hat Woods 27% seiner 2012er-Starts auf der PGA Tour mit einem Sieg beendet. Sein Karriereschnitt: 26%.

Wales Watch

Mit seinem Sieg bei der Irish Open beendete Jamie Donaldson eine lange Durststrecke. Während Woods 26% seiner Turniere mit einem Sieg beendet, liegt der Waliser nach seinem Erfolg am letzten Wochenende jetzt bei 0,4%. Denn für den 36-Jährigen, der 2002 erstmals eine Karte für die European Tour hatte, war es der erste Sieg im 255. Start und sein größter Erfolg seit einem zweiten Platz beim SAS Masters 2009. Donaldson ist damit erst der zehnte Waliser, der sich in die Siegerlisten der European Tour einschreiben konnte (Dai Rees, einer der größten Golfer aus dem kleinen Land, hatte seine große Zeit hinter sich als die European Tour formell begann). Von den insgesamt 45 walisischen Siegen gingen allerdings alleine 29 auf das Konto von Ian Woosnam. Ansonsten waren nur noch Stephen Dodd (3), Phillip Price (3), Bradley Dredge (2), Brian Huggett (2) und Mark Mouland (2) multiple Sieger. Wie Donaldson gewannen auch Rhys Davies, David Llewellyn, und David Park (1) nur ein Turnier.

The Daley Show

JD hat es geschafft. Nach langer Wartezeit hat er endlich wieder ein Turnier gewonnen. Nein, es geht nicht um John Daly, sondern um Joe Daley, der bei der Senior PGA Championship den größten Triumph seiner langen Karriere einfahren konnte. 1996 trat der heute 51-Jährige erstmals auf der PGA Tour an, kam jedoch nie über einen sechsten Platz hinaus. Den Großteils seiner Karriere verbrachte er daher auch auf der Nationwide Tour und in allen Teilen der Welt, die ihn haben wollten: Marokko, Bermuda, Jamaica, Chile und Panama waren nur einige der Länder an die er sich in der Pressekonferenz erinnerte. Nicht einmal 1,5 Millionen Dollar verdiente er in seiner 20-jährigen Karriere. Man kann sich also gut vorstellen, was der Siegerscheck von 405.000 US-Dollar für Daley bedeutet, der vor diesem Turnier nicht einmal eine feste Spielberechtigung auf der Champions Tour hatte.

Open Closed?

Marc Leishman steht kurz davor über die Mini-Money-List der PGA Tour sich einen Startplatz bei der Open Championship in Royal Lytham zu sichern. Die Frage ist nur, ob er ihn auch wahrnehmen kann. Denn der Australier ist gerade in einem kleinen Staatsbürgerschafts-Chaos involviert. Wie der Sydney Morning Herald berichtet, hat Leishman, der mit einer Amerikanerin verheiratet ist, gerade eine Green Card beantragt und auch amerikanische Mühlen mahlen langsam. Das Problem: während dieser Zeit ist es einem Antragsteller eigentlich verboten, das Land zu verlassen. Jetzt heißt es für ihn entweder bangen, dass sein Antrag durchgeht, oder dass er eine Ausnahmegenehmigung erteilt bekommt. Im vergangenen Jahr hatte Robert Rock bei der U.S. Open ein ähnliches Problem, das sich am Ende aber glücklich auflöste.

Wetterkapriolen

Das Weltklima spielt mal wieder verrückt. In Deutschland leider mit tödlichen Folgen auf dem Golfplatz (siehe dazu auch den Beitrag bei e13.de), aber auch in den USA ging es hoch her. So fegten unglaubliche Stürme über die USA und führten dazu, dass das AT&T National zwischenzeitlich unterbrochen werden musste. Riesige Bäume wurden umgeknickt (siehe dazu die Fotogalerie bei ESPN), Zelte umgeweht und die Abschlagschilder zertrümmert. Die Lage war so schlimm, dass am dritten Tag die Zuschauer ausgesperrt werden mussten. Ein Umstand, der dazu führte, das selbst Tiger Woods fast ohne Kulisse spielte und für das Zitat des Jahres durch Woods’ Spielpartner Bo Van Pelt sorgte: “Ich habe Tiger gesagt, das ist eine typische Bo-Van-Pelt-Zuschauermenge.”
Während über dem Congressional Country Club wenigstens die Schotten dicht hielten, entlud sich wenige Tage vorher der Regen über Florida – und machte Loch 17 des TPC Sawgrass gleich noch mal deutlich schwieriger.



Kinderspiel

Man sollte meinem für einen 16-Jährigen würde es reichen einmal pro Woche einen Platzrekord zu brechen. Nicht so für den unersättlichen Scottie Scheffler. Erst toppte er laut Berichten der Dallas News am letzten Dienstag im Northwood Club, einem ehemaligen U.S. Open Austragungsort, den Platzrekord eines gewissen Hunter Mahan mit einer 61, dann erzielte er zwei Tage später auf dem Dallas Country Club noch einmal den gleichen Score und teilte damit niemand geringern als U.S. Amateur Champion Kelly Kraft. Angesprochen, was er später mal beruflich machen wolle, sagte Scheffler: Feuerwehrmann.

Be careful what you wish for

Sportwetten sind eine gefährliche Sache – es sein denn man setzt auf Italien gegen Deutschland (Danke, Balotelli). Das musste auch Suzann Pettersen erfahren. Der Norwegerin war bei der Walmart NW Arkansas Championship langweilig und so forderte sie auf den Back 9 ihre Spielpartnerin Brittany Lang in der dritten Runde heraus: 20 Dollar pro Birdie. Lang willigte ein – und produzierte mal eben fünf Birdies und ein Eagle.

Herr Lehman

Vom offiziellen 60er Club ist Tom Lehman noch ein paar Jährchen entfernt, aber auf dem Golfplatz ist er einem deutlich exklusiveren 60er-Club beigetreten. Bei der Senior Players Championship blieb Lehman erneut alle vier Runden unter 70 Schlägen und erhöhte seine Serie damit auf 12. Damit fehlt Lehman nur noch eine Runde in den 60ern um den ewigen Tour-Rekord von Hale Irwin einzustellen. Allerdings dachte Fred Couples dies vor zwei Jahren auch – nur um dann bei 12 Runden stehen zu bleiben.

Beat Army

Es war irgendwie passend, das Billy Hurley III ausgerechnet beim AT&T National um den Sieg mitspielte. Das kurz vor dem amerikanischen Unabhängigkeitstag stattfindende Turnier wurde von Schirmherr Tiger Woods als Hommage an das Militär angelegt und was traf sich da besser als ein ehemaliger Navy-Lieutenant auf der ersten Seite des Leaderboards? Der 30-Jährige Hurley war bis Juli 2009 in der Navy und diente auf dem Zerstörer USS Chung-Hoon vor Irak bevor er seine vielversprechende Amateurkarriere wieder aufnahm und sich 2011 als 25. auf der Nationwide Tour gerade so die Spielberechtigung für die PGA Tour sicherte. Nachdem er in sieben seiner neun letzten Starts den Cut verpasste, war es eine überraschende Leistung, die das Publikum zu endlich mal etwas kreativeren Schreien anspornte. Statt “Get in the Hole” oder “Mashed Potatoes” riefen sie anspielend auf die ewige Rivalität zwischen Army und Navy “Beat Army!”

Justin Biebers Handicap

Ein Kommentar
  1. Exilgolfer

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