The Open Championship 2012: Die knapp Gescheiterten von Royal Lytham

Im Zuge der Vorschau auf die Open Championship in Royal Lytham wird sich sämtliche Vorberichterstattung auf die neun Spieler konzentrieren, die die zehn bisherigen Titel in dem altehrwürdigen Club gewonnen haben. Natürlich vollkommen zu Recht, denn allesamt von ihnen gehören zu den besten Golfern aller Zeiten – und die diesjährigen Open werden vermutlich ganz im Zeichen des verstorbenen Seve Ballesteros stehen, der hier zwei seiner drei Open-Titel einfuhr und 1979 dabei etwas respektlos zum “Car Park Champion” wurde. Wie gut die Siegerliste ist? Mit einer Ausnahme – Bob Charles im Jahr 1963 – haben alle Sieger entweder mindestens fünf Major-Titel gewonnen oder waren Weltranglisten-Erste. Doch hier soll es ausnahmsweise einmal nicht um die Sieger gehen (wer nur dies möchte, klicke einfach auf das eingebettete Video), die jetzt überall gefeiert werden, sondern um die Spieler, denen in Royal Lytham der Eintrag in die Golf-Annalen knapp verwehrt wurde.



2001 Alex Cejka

(offizielles Video)
Wer waren die einzigen Spieler, die bei den letzten beiden Austragungen in Royal Lytham in den Top 15 waren? Ernie Els hätte man vermutlich noch erraten. Darren Clarke und Vijay Singh ebenfalls. David Duval vielleicht auch noch. Aber um auf den Fünften zu tippen, hätte man wohl einige Dutzend Versuche gebraucht. Denn es ist Alex Cejka. 1996 bereits 11. geworden, belegte er in 2001 den 13. Platz. In Erinnerung blieb bei der letzten Open in Lytham neben dem Sieg von Duval nur das Schicksal von Ian Woosnam dessen Caddie einen zusätzlichen Driver im Bag hatte, der dem Waliser auf dem zweiten Loch zwei Strafschläge und den möglichen Sieg kostete. Doch was kaum jemand heute noch weiß: Gleich zwei Deutsche hatten vor dem Beginn der Schlussrunde die Führung inne, Bernhard Langer und eben Alex Cejka. Zwischenzeitig hatte Cejka in der dritten Runde sogar mit zwei Schlägen Vorsprung geführt, aber Bogeys an 15 und 16 warfen ihn wieder zurück. Es sollte ein Zeichen für das sein, was in der Schlussrunde kommen sollte. Denn nach fünf Löcher hatte Cejka seine Siegchancen bereits verspielt. Bogeys an Loch 3 und 4, getoppt von einem Doppelbogey an Loch 5 warfen Cejka so weit zurück, dass er am Ende mit der schlechtesten Runde der Top 25 noch auf Platz 13 durchgereicht wurde.

1996 Mark McCumber

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Sieben Jahre lag die letzte Top-10-Platzierung bei einem Major für den Amerikaner Mark McCumber zurück als er 1996 in Royal Lytham als Siebter in die Schlussrunde ging. Nicht dass sich der 45-Jährige bei seiner letzten Open-Teilnahme eine echte Chance ausgerechnet hätte: Landsmann Tom Lehman schien mit 9 Schlägen Vorsprung außer Reichweite. Umso entspannter spielte McCumber. Nach 14 Loch lag er fünf unter Par während Lehman die selbe Strecke in eins über Par bewältigte. Doch mit einem Bogey an der 15 verpasste es McCumber noch mehr Druck auf Lehman auszuüben, der mit einer 73 den Claret Jug nach Hause schaukeln konnte und McCumbers majorlose Karriere besiegelte.

1988 Nick Price

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Der Mann aus Zimbabwe ist heute eine Golf-Legende mit drei Major-Titeln und der Aufnahme in die World Golf Hall of Fame im Jahr 2003. Doch als Nick Price 1988 nach Royal Lytham kam, war er ein noch relativ unbeschriebenes Blatt. Zwei European-Tour-Siege und ein PGA-Tour-Erfolg standen auf seinem Resumee, zu dem immerhin aber auch fünf Top-Ten-Platzierungen in Majors gehörten. Doch dass er am Sonntag mit zwei Schlägen Vorsprung das Leaderboard anführen würde, hätten nur die wenigsten vermutet. Dummerweise war die Open da aber noch nicht zu Ende, denn dank heftigem Regen war die dritte Runde ausgefallen und es kam zum ersten Mal in der Geschichte zu einem Finale am Montag. So hatte Nick Price einen Tag mehr Zeit darüber nachzudenken wie es für ihn das letzte Mal in dieser Situation war: 1982 hatte er in Royal Troon auf den letzten sechs Löchern einen 3-Schläge-Vorsprung aus der Hand gegeben. Dieses Mal wollte Price den Sieg jedoch nicht verschenken und was folgte war eines der größten Duelle der Open-Geschichte. Price konterte Ballesteros’ Birdie-Eagle an Loch 6 und 7 mit dem gleichen Ergebnis, doch an der 11 zog der Spanier vorbei. Aber Price konterte und selbst als er an der 14 einen 1-Meter-Putt vorbeischob, war er immer noch schlaggleich mit Seve. Die Entscheidung sollte schließlich an der 16 fallen, als Ballesteros ein Eisen 9 vom Fairway fast lochte und zum Birdie eintippte. Price war in einem Duell, das keinen Verlierer verdiente, geschlagen – sollte sich aber 1994 in Turnberry doch noch seine Open holen.

1979 Hale Irwin

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1979 hatte Hale Irwin die Chance Geschichte zu schreiben. Nur vier Spieler in der Geschichte des Golfsports hatten es bis dahin geschafft in einem Kalenderjahr die U.S. Open und die Open Championship zu gewinnen: Bobby Jones, Gene Sarazen, Ben Hogan und Lee Trevino (seither kamen noch Tom Watson und Tiger Woods hinzu). Nun schickte sich Hale Irwin an, dies zu wiederholen. Mit zwei Schlägen Vorsprung hatte Irwin im Inverness Club die U.S. Open gewonnen und nun führte er nach drei Runden in Royal Lytham and St. Annes mit dem gleichen Vorsprung vor dem noch recht unerfahrenen Seve Ballesteros, der einen Monat zuvor bei der U.S. Open noch sang- und klanglos den Cut verpasst hatte. Doch Irwin erwischte einen gebrauchten Tag. Ein Doppelbogey am zweiten Loch ließ ihn die Führung an den jungen Spanier abgeben. Ein Fehler, dem er bis zum zehnten Loch hinterherrannte, wo Irwin sowohl hinter Ballesteros als auch Ben Crenshaw um einen Schlag zurücklag. Doch dann nahm das Drama seinen Lauf. Beim Versuch es mit aller Gewalt zu erzwingen, unterliefen Irwin auf seinen letzten neun Löchern fünf Bogeys und der Amerikaner wurde noch bis auf den sechsten Platz durchgereicht. Er sollte nie eine Open gewinnen.

1974 Peter Oosterhuis

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Die Open des Jahres 1974 war eine historische Veranstaltung – bedeutete sie doch den Zeitpunkt, in dem der kleinere, britische Ball verboten und erstmals nur mit dem etwas größeren, in den USA üblichen Ball gespielt werden musste. Nicht, dass es zuvor für die Amerikaner ein Nachteil gewesen wäre, schließlich hatten sie die letzten vier Open Championships nach Hause geholt. Und auch 1974 sollten sie wieder eine große Rolle spielen: nach drei Runden lagen fünf von ihnen unter den Top 10. Doch ganz vorne machten zwei andere den Sieg unter sich aus: der Südafrikaner Gary Player und der Engländer Peter Oosterhuis, der es seinem Landsmann Tony Jacklin gleich tun und in Royal Lytham gewinnen wollte. Doch er hatte nie eine Chance. Player legte los wie die Feuerwehr, spielte zwei Birdies und hatte schnell seinen Vorsprung auf fünf Schläge ausgebaut. Nach 14 Loch lag der Südafrikaner mit sieben Schlägen vorn, machte es aber noch einmal unnötig spannend indem er beinahe einen Ball verlor und an der 18 linkshändig von der Außenwand des Clubhauses spielen musste. Oosterhuis, der heute als Kommentator auf der PGA Tour tätig ist, musste wie so häufig in seiner majorlosen Karriere akzeptieren, dass es jemanden gab, der besser war.

1969 Christy O’Connor Sr.

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Man mag es kaum glauben, aber erst im Jahr 2007 konnte ein Irländer erstmals die Open Championship gewinnen. 1969 wäre es aber bereits beinahe so weit gewesen. O’Connor, der im Laufe seiner Karriere kein Major außer der Open spielte und dennoch von 1955 bis 1973 ein Fixstern im Ryder Cup war, war ein Spezialist für Royal Lytham. 1958 hatte er den dritten Platz belegt, 1963 wurde er 6. Wie sehr ihm der Platz lag, bewies er in der zweiten Runde als er sich mit einer blitzsauberen 65 – einen Schlag besser als Bob Charles’ Platzrekord vom Vortag – in die absolute Spitze spielte. Selbst eine 74 in der dritten Runde erwies sich aufgrund der schwierigen äußeren Verhältnisse nicht als desaströs. Nur zwei Schläge fehlten O’Connor auf den Führenden Tony Jacklin. Doch in der Schlussrunde konnte der Ire keinen entscheidenden Boden gut machen, und mit einem Doppelbogey an der 17 verspielte er schließlich noch den zweiten Platz.

1963 Phil Rodgers

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Phil Rodgers gehört zu den Vergessenen des Golfsports, dabei war er eine Figur, die man eigentlich nicht vergessen konnte. Der schillernde Amerikaner war bekannt dafür seinen Putts hinterherzulaufen bevor sie im Loch waren – und sollten sie dann fallen, seine Mütze über das Loch zu werfen. Doch in einem kurzen Zeitraum untermauerte er seine Talente als Showman auch mit Leistung. Zwischen 1962 und 1966 fuhr er fünf Siege auf der PGA Tour ein und 1962 belegte er sowohl bei der U.S. Open als auch bei der British Open den dritten Platz. Seine größte Chance auf Unsterblichkeit kam aber 1963 in Royal Lytham. 36 Loch hatte er die Führung inne, bevor ihn eine 73 ins Hintertreffen geraten ließ. Doch mit der zweitbesten Schlussrunde kam Rodgers zurück und hatte an der 18 sogar noch eine realistische Chance auf den Sieg, konnte den Putt aber nicht versenken. So ging es ins letzte 36-Loch-Playoff der Open-Historie (für das Folgejahr wurde die Playoffregel auf 18 Loch verkürzt), das jedoch eine eindeutige Angelegenheit wurde. Bereits nach 18 Loch lag der Neuseeländer Bob Charles mit drei Schlägen vorne und fuhr am Ende dank neun Putts weniger einen Sieg mit acht Schlägen Vorsprung ein, und wurde so zum ersten Linkshand-Majorsieger.

1958 Dave Thomas

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Mitte der 50er Jahre war der Australier Peter Thomson der Gigant in Sachen Linksgolf. Nach zwei zweiten Plätzen bei den Open 1952 und 1953 begann 1954 sein Siegeszug in Royal Birkdale. Es folgten zwei erfolgreiche Titelverteidigungen und ein erneuter zweiter Platz im Jahr 1957. Es war also kein Wunder, dass Thomson auch in Royal Lytham als großer Favorit gehandelt wurde. Dass es kein Spaziergang wurde lag am Waliser Dave Thomas, der bis dahin gerade einmal den Gewinn der Belgian Open in seinem Lebenslauf und noch nie eine Open-Runde unter 70 gespielt hatte. Das gelang ihm 1958 gleich zwei Mal, und so fand er sich nach drei Runden an zweiter Stelle – zwei Schläge hinter dem großen Favoriten Thomson liegend – wieder. Zwar reichte es für Thomas in der Schlussrunde nur für eine 71, doch das reichte aufgrund der schwierigen Bedingungen um mit seinem Mentor gleich- und in das 36-Loch-Playoff einzuziehen. Es wurde ein Playoff, das dieses Namens wirklich würdig war, denn beide Gegner spielten am Morgen auf hohem Niveau und Thomson brauchte schon eine 68 um mit einem Schlag in Führung zu gehen. Eine Führung, die er am Nachmittag nicht mehr abgab und mit vier Schlägen vor Thomas gewann, der 1966 noch einmal knapp an einem Open-Sieg vorbeischrammen sollte.

1952 Fred Daly

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Wer war der erste nordirische Majorsieger? Die Antwort auf diese Millionenfrage lautet Fred Daly. 1947 gewann er die Open in Royal Liverpool und in seinen vier nächsten Open-Starts landete er in den Top 4. Eine Serie, die 1952 in Royal Lytham abgeschlossen wurde. Mit einer 67 in der ersten Runde und einer 69 in Runde zwei hatte er sich einen Vier-Schläge-Vorsprung zur Halbzeit erarbeitet. Doch das desaströse Wetter am Wochenende traf kaum jemanden härter als Daly. In beiden Runden zusammen (!) blieben nur fünf Spieler unter 72 Schlägen. Daly war weit davon entfernt. Mit Runden von 77 und 76 fiel er noch auf den dritten Platz hinter den Open-Giganten Bobby Locke und Peter Thomson zurück.

1926 Al Watrous

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Zum ersten Mal in der Geschichte der Open wurde das Event über drei Tage ausgetragen und erstmals wurde auch Eintrittsgeld verlangt – etwas, was zu einer kuriosen Situation führte. Der große Bobby Jones hatte seine Akkreditierung im Hotel vergessen und weil ein Ordner Jones nicht erkannte, musste die Golf-Legende sich eine Eintrittskarte kaufen um an der Schlussrunde teilnehmen zu können. Zur damaligen Zeit wurden die beiden Schlussrunden noch mit willkürlichen Paarungen gespielt, doch wie es der Zufall wollte war der Führende Bobby Jones mit seinem zwei Schläge schlechteren Landsmann Al Watrous gepaart. Der blühte an der Seite von Jones regelrecht auf und übernahm mit einer 68 in der dritten Runde die alleinige Führung. Die Finalrunde bekam so trotz Verfolger Walter Hagen einen Matchplay-Charakter und Watrous hielt lange stand. Bis fünf Löcher vor Schluss konnte er seinen Vorsprung von zwei Schlägen verteidigen, doch dann drehte Bobby Jones auf und beide gingen schlaggleich aufs 17. Loch. Während Watrous sicher mit zwei Schlägen das Grün erreichte, war Bobby Jones’ Abschlag in einer Waste-Area gelandet. Doch Jones spielte einen solchen Zauberschlag, dass eine Gedenktafel auf dem Platz heute daran erinnert. Sein Gegner Watrous war so geschockt, dass er drei Putts benötigte und den Sieg aus der Hand gab.

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