Was von der PGA Championship 2012 übrig blieb: Statistiken und Randnotizen

Rory vs. Tiger

Die Schlagzeilen nach Rory McIlroys triumphalen Erfolg bei der PGA Championship in Kiawah Island werden von einer Statistik bestimmt: Rory McIlroy ist 4 Monate und 7 Tage jünger als Tiger Woods es bei seinem zweiten Majorsieg war. Der unweigerliche Vergleich mit dem jahrelangen Dominator ist wohl auf lange Zeit das Schicksal jedes jungen Golfers. Doch der Vergleich ist sicher verfrüht, schließlich galt es jahrelang als ausgemacht, dass Tiger Woods die Bilanz von Jack Nicklaus übertrifft. Davon abgesehen ist Rory McIlroy noch nicht einmal der jüngste Doppelsieger aller Zeiten – er liegt noch nicht einmal in den Top 5. Young Tom Morris, Jack McDermott, Gene Sarazen, Johnny McDermott, Seve Ballesteros und auch Jack Nicklaus waren bei ihrem zweiten Major-Titel noch jünger.

Achter-Schlagmann

Unter acht Schlägen Vorsprung macht er es nicht. Wie bei der U.S. Open 2011 überrundete Rory McIlroy auch bei der diesjährigen PGA Championship das Feld. Als er sieben Schläge in Front auf die 18 ging, dachte sich der Nordire Scheiß drauf und legte einfach noch mal ein Birdie drauf. Ob er wusste, dass ihm dies einen Eintrag in den Geschichtsbüchern bescheren würde? Denn McIlroy ist erst der vierte Spieler in der Geschichte des Golfsports, der zwei Majors mit mindestens acht Schlägen Vorsprung gewinnen konnte. Zwei davon stammen noch aus einer anderen Ära: Young Tom Morris gewann die Open 1869 und 1870 mit 11 bzw. 12 Schlägen Vorsprung, John Henry Taylor triumphierte beim gleichen Turnier 1900 und 1913 mit je 8 Schlägen vor dem Rest des Feldes. Der einzige dem dies in mehr als zwei Turnieren gelang? Natürlich Tiger Woods. Das Masters 1997 gewann er mit 12, die U.S. Open 2000 mit 15 und schließlich die Open 2000 mit acht Schlägen vor der Konkurrenz.

Power Play

Einen alleinigen Rekord stellte Rory McIlroy aber auch auf: Die acht Schläge Vorsprung waren für die PGA Championship Neuland. Noch nie zuvor wurde dieses Major in der Zählspiel-Ära seit 1958 so dominant gewonnen. Die neue Reihenfolge der dominantesten Siege sieht jetzt so aus:

  • 8 Schläge: Rory McIlroy, 2008 2012
  • 7 Schläge: Jack Nicklaus, 1980
  • 6 Schläge: Nick Price, 1994
  • 5 Schläge: Davis Love III, 1997
  • 5 Schläge: Tiger Woods, 2006
  • 4 Schläge: Al Geiberger, 1966
  • 4 Schläge: Jack Nicklaus, 1973
  • 4 Schläge: Larry Nelson, 1981
  • 4 Schläge: Lee Trevino, 1984

Wiederholungstäter

Ein Major gewinnen kann jeder. Das haben die letzten Jahre bewiesen. Zwei Majors gewinnen ist schon was anderes. Majors in aufeinanderfolgenden Jahren zu gewinnen? Eine Seltenheit. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es lediglich 16 Golfer, denen dies gelungen ist. Die Namen lesen sich wie ein Who is Who des Golfsports und alle bis auf Padraig Harrington und Tiger Woods sind bereits Mitglieder der Hall of Fame.

  • Rory McIlroy (2011/2012)
  • Padraig Harrington (2007/2008)
  • Phil Mickelson (2004-2006)
  • Tiger Woods (1999-2002; 2005-2008)
  • Nick Faldo (1989/1990)
  • Curtis Strange (1988/1989)
  • Seve Ballesteros (1979/1980)
  • Tom Watson (1980-1983)
  • Lee Trevino (1971/1972)
  • Tony Jacklin (1969/1970)
  • Jack Nicklaus (1962/1963; 1965-1967; 1970-1973); 1983/1984)
  • Arnold Palmer (1960-1962)
  • Peter Thomson (1954-1956)
  • Cary Middlecoff (1955/1956)
  • Ben Hogan (1950/1951)
  • Bobby Locke (1949/1950)

An jedem verdammten Sonntag

Normalsterbliche nutzen das Wochenende zur Entspannung. Sie lehnen sich zurück und stellen ihren Akku auf Aufladen. Tiger Woods gehört jetzt scheinbar zu ihnen. Das zumindest haben die letzten drei Jahre gezeigt – und nichts macht dies deutlicher als seine Leistung an Major-Wochenenden. 72-74-75-73-70-73-74-72: In allen vier Majors des Jahres hat Tiger Woods weder am Samstag noch am Sonntag auch nur ein einziges Mal unter Par gespielt, sein Schlagdurchschnitt für die acht Runden lag mit 72,875 fast zwei über Par. Insgesamt hat Woods in seinen letzten 14 Runden nur ein einziges Mal, am Major-Sonntag 2011, Par durchbrochen. Wenn man bedenkt wie er einst gerade diese Tage dominierte, eine erstaunliche Zahl. Kein Wunder, dass die Rivalen wie McIlroy längst nicht mehr davor zurückschrecken, sonntags das traditionelle Tiger-Rot zu tragen.

Wenn der Postmann dreimal klingelt

Die Major-Bilanz von Ian Poulter ist nicht gerade überzeugend. Der Engländer, Spitzname The Postman, hatte vor diesem Jahr bei 36 Major-Starts gerade einmal drei Top-Ten-Platzierungen eingefahren. Doch 2012 hat der Mann mit der großen Klappe den Schalter umgelegt. Nach einem siebten Platz beim Masters und einem neunten Rang bei der Open legte er jetzt – beflügelt von einem Finalrunden-Start mit fünf Birdies in Folge – einen dritten Platz bei der PGA Championship nach und spielte sich so gut wie sicher in das europäische Ryder Cup Team. Es war erst das dritte Mal in seiner Major-Karriere nach der Open 2005 und der PGA Championship 2009, dass Poulter mindestens drei Runden unter Par spielte.

Blitzkarriere

Als David Lynn bei der Open de France den 4. Platz belegte, hätte der Engländer wohl selber nicht gedacht was dies für eine Kettenreaktion in Gang setzt. Das Resultat brachte den 38-Jährigen, der in seiner langen Karriere nur einen Major-Start (der erste war bei der Open 2003) hatte, knapp in die Top 100 der Welt und so in das Feld der PGA Championship. Es war das erste Mal in seiner Profikarriere, dass Lynn in den USA startete, doch er spielte als hätte er nie etwas anderes gemacht. Er schaffte nicht nur den zweiten Cut in seinem zweiten Major-Start, er katapultierte sich mit dem zweitbesten Wochenende des gesamten Feldes auf den alleinigen zweiten Platz, der Lynn einige Annehmlichkeiten beschert. Zum Einen darf er dank der Platzierung im April zum ersten Mal beim Masters starten, zum anderen beschert ihm das verdiente Preisgeld eine Startberechtigung bei der nächsten Open und die Option in der kommenden Saison die Mitgliedschaft auf der PGA Tour anzunehmen.

Strafanzeigen

Nachdem sich in den ersten beiden Runden schon Rickie Fowler und Sergio Garcia selber Strafen auferlegten und Michael Hoey nachträglich einen Regelverstoß anzeigte, der zu seiner Disqualifikation führte, ging das muntere Treiben in der Schlussrunde weiter. Bei seinem letzten Putt des Turniers bemerkte Zach Johnson, dass sich sein Ball auf dem Grün bewegt hatte. Obwohl es niemand gesehen hatte, meldete er den Verstoß und schrieb sich einen Strafschlag auf. Es machte keinen großen Unterschied, lag er zu der Zeit doch schon 6 über Par für die Runde und war auf den geteilten 68. Platz zurückgefallen. Sein finanzieller Verlust: 150 Dollar.
Kostspieliger war dagegen was Carl Pettersson auf dem ersten Loch widerfuhr. Der Schwede hatte seinen Abschlag knapp in ein seitliches Wasserhindernis befördert wo der Ball auf gemähtem Gras zur Ruhe kam. Was folgte war ein weiterer Beleg dafür, dass sich Profi vielleicht mal ein Stündchen mit den Golfregeln befassen sollten. Der scheinbar mit dieser Situation nicht vertraute Pettersson fragte einen Offiziellen ob er mit seinem Schläger das Gras berühren dürfe. Die Antwort: so lange er den Schläger nicht aufsetzt, ja. Dummerweise lag aber auch ein Blatt dort, das Petterson beim Zurücknehmen des Schlägers hochwirbelte. Hätte Petterson aufgepasst was Brian Davis widerfuhr, hätte er gewusst, dass dies ein Vergehen ist, das mit zwei Strafschlägen geahndet wird – und am Ende sage und schreibe 481.000 Dollar teuer war. Sofort kamen die ersten Stimmen auf, die sich über die viel zu harten Golfregeln beschwerten. David Feherty meinte im US-Fernsehen sogar man solle auf Profis keine Regeln anwenden, die für Amateure gedacht seien (die zweitdümmste Bemerkung der Woche nach Irek Myskows Vorschlag leichtere Major-Golfplätze zu wählen, damit alle Stars (=Martin Kaymer) auch am Wochenende dabei sind). Es gibt nur ein Problem in dieser Argumentation: Carl Pettersson hätte jederzeit mit einem Strafschlag aus dem Hindernis heraus droppen können. Indem er diese Option nicht wählte, brachte er das Risiko dieser Strafe selber ins Spiel. Es heißt nun mal nicht umsonst Hindernis. Entsprechend gefasster als die Öffentlichkeit nahm der Schwede auch das Urteil zur Kenntnis und konterte mit vier Birdies auf den nächsten sechs Löchern.

Champion der Champions

Was haben alle vier Major-Champions des Jahres 2012 gemeinsam? Sie alle haben es nicht geschafft, alle 16 Major-Runden des Jahres zu spielen. Wobei dies allerdings nicht ganz fair gegenüber Ernie Els ist: Anders als die drei anderen schaffte der Südafrikaner bei all seinen Major-Starts den Cut – nur dass die hohen Herren von Augusta sich zu fein waren Els eine Einladung zu geben weil er nicht japanisch genug war. So tummeln sich unter den 12 Spielern, die alle 16 Runden absolvierten, in erster Linie die Geschlagenen des Jahres. Allen voran Adam Scott, der das niedrigste Gesamtergebnis aller Spieler hat, aber wohl immer daran denken wird, wie er die Open aus der Hand gegeben hat – so wie es Graeme McDowell gleich mit zwei Majors gemacht hat.

  1. Adam Scott 284-286-274-286=1130
  2. Graeme McDowell 286-282-278-286=1132
  3. Ian Poulter 283-291-280-284=1138
  4. Padraig Harrington 284-283-285-287=1139
  5. Tiger Woods 293-287-277-286=1143
  6. Jim Furyk 285-283-284-292=1144
  7. Jason Dufner 289-283-283-289=1144
  8. Steve Stricker 295-286-282-285=1148
  9. Fredrik Jacobson 288-286-287-291=1152
  10. Francesco Molinari 288-289-285-294=1156
  11. Keegan Bradley 290-298-284-284=1156
  12. Zach Johnson 291-291-280-300=1162
5 Kommentare
  1. Roman Szemetat
  2. Sense
    • Linksgolfer
  3. Kai
  4. Frank Reichelt

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